Angst vor Vulkanausbruch im Erdbebengebiet wächst

6. Juni 2006, 18:10
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Regierung korrigiert Zahl der Erdbebentoten nach unten - Von 6.200 auf 5.782

Bantul - Im indonesischen Erdbebengebiet wächst die Angst vor einem Vulkan-Ausbruch. Der Merapi schleuderte am Montag mehrere Dutzend Male Asche und heiße Wolken aus Gas in die Luft, wie die Behörden mitteilten. Die Gaswolken wälzten sich bis zu vier Kilometer weit den Hang herab. Erschwert wurde die Lage der Überlebenden nach dem Erdbeben vor mehr als einer Woche durch immer schlechtere sanitäre Bedingungen.

Die Aktivität des Merapi habe sich in den vergangenen Tagen verstärkt, sagte ein Vulkanologe der Regierung. Ob es zu einer größeren Eruption kommen werde, sei jedoch unklar. Der Lavadom über dem Gipfelkrater des 3.000 Meter hohen Bergs wuchs in der vergangenen Woche um 17 Meter auf einen Durchmesser von rund 100 Metern an. Die Kuppel könnte nach Ansicht von Experten entweder zusammenbrechen, Stück für Stück auseinander fallen oder weiter anwachsen.

Sicherheitsabstand

Die Behörden warnten davor, den vorgegebenen Sicherheitsabstand zum Vulkan von rund sieben Kilometern nicht einzuhalten. Aus diesem Umkreis wurde die Bevölkerung schon vor geraumer Zeit in Sicherheit gebracht. Bei der letzten Eruption 1994 hatten die heißen Gaswolken 60 Menschen das Leben gekostet.

Wie Ärzte am Sonntag mitteilten, bedroht verschmutztes Wasser die Gesundheit von hunderttausenden Obdachlosen. In vielen Ortschaften seien wegen der schlechten sanitären Bedingungen Brunnen und Flüsse kontaminiert. Zahlreiche Menschen litten bereits an Hautausschlägen, sagte Doktor Hendra, der im Auftrag der Regierung im Katastrophengebiet unterwegs ist. "Das Wasser ist dreckig, und viele Patienten kümmern sich nicht ausreichend um ihre Wunden."

Viele Dörfer noch nicht erreicht

Die Sanitäter hätten auch rund eine Woche nach dem verheerenden Beben auf der Insel Java viele Dörfer noch immer nicht erreicht, sagte der Arzt weiter. UN-Sprecherin Amanda Pitt erklärte, der Mangel an sanitären Einrichtungen und sauberem Wasser für die Obdachlosen bereite den Helfern weiterhin große Sorgen.

Das Beben riss am 27. Mai 5.782 Menschen in den Tod, mehr als 36.000 weitere wurden verletzt. Zunächst war von mehr als 6.200 Toten die Rede, die indonesischen Behörden korrigierten die Zahl jedoch am Montag. Das Sozialministerium begründete dies damit, dass manche Opfer aus Versehen doppelt gezählt worden seien und einige Totgeglaubte wieder aufgetaucht seien.

Für mehrere hundert indonesische Schüler aus mindestens zehn Schulen begann am Montag wieder der Unterricht, wie die Vereinten Nationen mitteilten. Da viele Schulgebäude zerstört wurden, legten sie ihre Prüfungen in Zelten ab.

Die indonesische Regierung brachte am Montag rund 200 Hilfstransporter mit je 4.000 Kilogramm Reis für die Überlebenden auf den Weg. Die Vereinten Nationen haben insgesamt um Spenden in Höhe von 103 Millionen Dollar (78 Millionen Euro) für die kommenden sechs Monate gebeten.

Mehr als 100 Überlebende des Bebens suchten in Hühnerställen Zuflucht, wie die britische Hilfsorganisation Merlin am Samstag mitteilte. Ihnen drohe ein erhöhtes Ansteckungsrisiko mit dem Erreger der Vogelgrippe. Die Organisation bat um die Bereitstellung von mehr Zelten für die rund 650.000 Menschen, die infolge des Erdbebens obdachlos wurden. Der Vogelgrippe sind in Indonesien schon mindestens 37 Menschen zum Opfer gefallen.

Unterdessen wurde die Bevölkerung im Katastrophengebiet von einem neuen Erdstoß in Angst und Schrecken versetzt. Das Nachbeben in der Nacht zum Samstag erreichte aber nur die Stärke 3,4 auf der Moment-Magnitude, wie die indonesischen Behörden mitteilten. (APA/AP)

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