Über 6.000 Mordopfer seit Jahresbeginn

13. Juni 2006, 18:29
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Gerichtsmedizin: Überwiegende Mehrzahl der Opfer wurde erschossen - Mehr als 100 Tote bei Gewalt am Wochenende

Bagdad - Im Irak sind in den ersten fünf Monaten dieses Jahres mehr als 6.000 Leichen von Mordopfern aufgefunden worden. Das berichtete die Leitung der Gerichtsmedizin in Bagdad am Montag auf Anfrage. Die überwiegende Mehrzahl der Getöteten sei erschossen worden, hieß es.

Die Gewalt im Irak hielt auch am Pfingstwochenende an, bei Anschlägen und Kämpfen wurden im ganzen Land mehr als 100 Menschen getötet. Die US-Armee räumte ein, bei einer Übung drei Zivilisten getötet zu haben. Von vier in Bagdad entführten Russen fehlte auch am Montag jede Spur.

Vorwürfe gegen US-Armee

Die US-Armee steht wegen mehrerer Tötungen irakischer Zivilisten unter erheblichem Druck. So haben US-Soldaten in Haditha im November vergangenen Jahres 24 Zivilisten getötet, in der Ortschaft Ishaki soll die Armee für den Tod von elf Zivilisten verantwortlich sein. Am Sonntag räumte die US-Armee ein, bei einer Übung in der Ortschaft Hibhib versehentlich drei Zivilisten getötet zu haben. Der irakische Vize-Präsident Tarek al-Hashemi forderte am Montag, die Vereinten Nationen in eine unabhängige Untersuchung der Vorfälle einzubeziehen.

Am Wochenende wurden bei Gewalttaten im ganzen Land mehr als 100 Menschen getötet. In Bagdad ermordeten Bewaffnete am Montag elf Studenten auf ihrem Heimweg. Am Vortag waren in der Unruheregion Bakuba nördlich der Hauptstadt 20 Zivilisten - die meisten ebenfalls Studenten - getötet worden, als Bewaffnete an einer selbst errichteten Straßensperre das Feuer auf Kleinbusse eröffneten. In Basra kamen bei Kämpfen und Anschlägen 39 Menschen ums Leben. In Bagdad wurden am Wochenende mindestens 17 Leichen von Menschen entdeckt, die offenbar ebenfalls ermordet wurden.

Vier russische Botschaftsmitarbeiter verschollen

Zwei Tage nach der Entführung von vier russischen Botschaftsmitarbeitern in Bagdad gab es weiter keine Informationen über deren Schicksal. Sein Ministerium stehe in ständigem Kontakt zu den irakischen Behörden und anderen Seiten, die zur Freilassung der Botschaftsmitarbeiter beitragen könnten, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Moskau lediglich. Die Russen waren am Samstag im Stadtviertel Mansur entführt worden. Unter den Gekidnappten befindet sich nach Angaben Moskaus auch ein Botschaftssekretär; ein weiterer Botschaftsmitarbeiter wurde bei dem Überfall getötet.

Der Prozess gegen den früheren Machthaber Saddam Hussein und sieben Mitangeklagte wurde am Montag, dem 32. Verhandlungstag, auf den 12. Juni vertagt. Damit soll der Verteidigung Gelegenheit gegeben werden, weitere Zeugen laden zu lassen. In dem Prozess geht es um die "Hinrichtung" von 148 Einwohnern des Ortes Dujail nach einem gescheiterten Attentat auf Saddam im Jahr 1982. (APA/dpa)

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    Über 6000 Menschen wurden im Irak seit Jahresbeginn ermordet. Auch an diesem Wochenende wurden bei Anschlägen und Kämpfen mehr als 100 Menschen getötet.

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