Vorwürfe gegen britische Regierung im Mordfall Margaret Hassan

9. Juni 2006, 14:04
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Familie: London verweigerte Dialog mit Entführern - Prozess gegen drei Verdächtige - Prozess: Lebenslänglich wegen Beihilfe - Zwei Freisprüche

London - Die Familie der im Herbst 2004 im Irak entführten und ermordeten Leiterin der Hilfsorganisation CARE, Margaret Hassan, hat der britischen Regierung Mitschuld am Tod der 59-Jährigen gegeben. Die Regierung habe sich geweigert, mit den Entführern zu reden, hieß es in einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung des Bruders und der drei Schwestern der Toten. "Wir glauben, dass die Weigerung der Regierung, mit den Entführern in Dialog zu treten, unsere Schwester das Leben gekostet hat." Es sei an der Zeit, dass die Menschen in Großbritannien und Irland die Wahrheit über das erführen, was der "britischen Bürgerin" Margaret Hassan widerfahren sei.

Während der Gefangenschaft Hassans hätten die Entführer vier Mal mit dem Handy der CARE-Chefin bei deren irakischem Ehemann in Bagdad angerufen und ein Gespräch mit einem Vertreter der britischen Botschaft verlangt, schreiben Deidre, Geraldine, Kathryn und Michael Fitzsimons. Aber die Botschaft habe lediglich ausrichten lassen, dass man nicht mit Entführern rede.

Das Außenministerium in London räumte ein, dass jemand Hassans Mann angerufen und behauptet habe, die CARE-Chefin festzuhalten. Die Echtheit des Anrufs könne aber nicht bestätigt werden. Ein Ministeriumssprecher äußerte Verständnis für die Kritik der Familie. Das Außenamt habe regelmäßigen Kontakt mit ihr.

In Zusammenhang mit der Entführung und Ermordung von Hassan ist am Montag ein 30-jähriger Iraker von einem Gericht in Bagdad zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Dem Mann wurde vorgeworfen, die Entführer der Direktorin der Hilfsorganisation Care im Irak unterstützt zu haben. Zwei weitere Angeklagte wurden freigesprochen.

Leiche nie gefunden

Im vergangenen Mai waren mehrere Verdächtige im Zusammenhang mit der Entführung im Irak festgenommen. Hassans Geschwister beklagen, dass der frühere Außenminister Jack Straw und seine Nachfolgerin Margaret Beckett es abgelehnt hätten, dass britische Ermittler die Verdächtigen verhörten. Dabei sei dies die einzige Möglichkeit, die Leiche zu finden und würdig zu begraben.

Hassan war am 19. Oktober 2004 auf dem Weg zur Arbeit in Bagdad entführt worden. Einen Monat später wurde ihr Tod von den Entführern bekannt gegeben. Die Leiche Hassans wurde nie gefunden. Die CARE-Helferin besaß neben der britischen auch die irische und irakische Staatsbürgerschaft; sei war mit einem Iraker verheiratet und lebte seit 30 Jahren in dem Land. Im Irak leitete sie für die australische CARE-Sektion die Hilfe für die irakische Bevölkerung. (APA)

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