EU plant Spaß-Offensive

19. Juli 2006, 14:20
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Werbekampagne für mehr Bürgernähe - Grenzüberschreitende Konzerte und Partys sowie neues Logo und Erkennungsmelodie geplant

Mit einer bunten Werbekampagne will die Europäische Union das Bündnis populärer machen. Nach der Schlappe bei den Verfassungsreferenden in Frankreich und den Niederlanden im vergangenen Jahr setzt die EU nun auf eine Spaß-Offensive, wie aus einem Vorschlagskatalog für die kommenden zwei Jahre hervorgeht, der der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt. Geplant sind demnach Konzerte, Tanz- und Karnevalpartys über die Grenzen der EU-Mitglieder hinweg, ein neues Logo und eine Erkennungsmelodie.

Eu mehr ins Bewusstsein rücken

"Wir haben große Pläne, um den Menschen auf der Straße die EU näher zu bringen", sagte ein EU-Vertreter. "Das Ziel ist, die EU mehr ins Bewusstsein der Leute zu rücken und zu zeigen, dass die EU Spaß macht." Der 50. Jahrestag der EU im kommenden Jahr solle genutzt werden, um die Kampagne voranzutreiben, sagte der EU-Vertreter weiter. Im Jahr 1957 wurden die Römischen Verträge zur Gründung der Europäischen Gemeinschaften unterzeichnet - die Vorläuferorganisationen der EU.

Die Popularität der EU lässt fünf Jahrzehnte später zu wünschen übrig: Bei vielen Europäern herrscht die Ansicht vor, die EU werde von elitären und unnahbaren Bürokraten dirigiert. Eine Umfrage unter 25.000 Europäern zeigte kürzlich, dass gerade einmal 39 Prozent die EU auf dem richtigen Weg sehen. Mit 49 Prozent der Befragten bezeichnete weniger als die Hälfte die EU-Mitgliedschaft als eine gute Sache. Das ehrgeizige Projekt einer EU-Verfassung erlitt im vergangenen Jahr eine schwere Niederlage, als die Franzosen und Niederländer dem Vorhaben in einer Volksabstimmung eine Absage erteilten.

Vertrauen zurückgewinnen

Die EU-Kommission hat bereits mit mehreren Initiativen zum Verbraucherschutz versucht, das Vertrauen der Bürger zurückzugewinnen. So hat das Exekutiv-Organ der EU Mobilfunkunternehmen und Kreditkartenfirmen den Kampf angesagt, um Preistreiberei innerhalb der EU zu unterbinden. Doch der Schock nach der Verfassungspleite hat in Brüssel auch zu der Erkenntnis geführt, dass sich das Bündnis besser verkaufen muss.

Wettbewerb

Die PR-Kampagne soll noch in diesem Monat mit einem Wettbewerb für ein Logo und einen Werbeslogan beginnen. Der Höhepunkt soll ein von Belgien vorgeschlagenes EU-weites Musik- und Tanzfestival sein. Im Stil des Eurovision Song Contest, der von Millionen Europäern im Fernsehen verfolg wird, sollen die Europäer ihren Lieblings-Hit samt Tanzeinlage wählen. Die Initiatoren der Werbekampagne hoffen, dass die EU so die Herzen ihrer Bürger erobern kann. "Wir wollen zeigen, dass die EU tanzen kann", heißt es in dem Vorschlags-Katalog. (APA/Reuters)

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