Drohung Irans mit Ölwaffe treibt Fasspreis in die Höhe

6. Juni 2006, 08:24
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Die von Ayatollah Ali Khamenei ausgesprochene Drohung, ein unüberlegter Schritt der USA gegen den Iran könne die weltweite Energieversorgung gefährden, hat den Ölpreis drastisch verteuert

London/Teheran/Santo Domingo - Nach neuen Drohungen der iranischen Führung im Atomstreit sind die Rohölpreise am Pfingstwochenende drastisch gestiegen. Für die US-Sorte "Light sweet crude" wurden am Montag im New Yorker elektronischen Handel 73,70 Dollar (57,5 Euro) pro Fass (je 159 Liter) gezahlt. Zeitweise erreichte der Handelspreis Spitzenwerte, die zuletzt am 11. Mai verzeichnet worden waren.

In London wurde im Interkontinentalhandel (ICE) für die Sorte Brent ein Preis von 72,54 Dollar festgestellt, was einem Anstieg von mehr als einem Dollar gegenüber der Vorwoche entsprach. "Der Iran hat am Sonntag angedeutet, dass er das Erdöl im Konflikt mit dem Westen als Waffe einsetzen könnte", erklärte ein Analyst.

Auch andere Händler verwiesen darauf, dass das geistliche Oberhaupt des Iran, Ayatollah Ali Khamenei, die Öllieferungen am Sonntag erstmals direkt als Druckmittel im Atomstreit ins Gespäch gebracht habe. Die Ölunternehmen befürchten, dass es bei Auseinandersetzungen mit dem Iran Engpässe bei den Lieferungen aus der Ölregion geben wird. Khamenei hatte unter Hinweis auf das Verhalten der US-Regierung gewarnt, jeder "Fehler" könne die Energieversorgung nachhaltig gefährden.

Mexiko, Kolumbien, die Dominikanische Republik und die Staaten Mittelamerikas haben unterdessen vereinbart, im Energiebereich enger zu kooperieren. Bei einem Gipfeltreffen im Badeort La Romana in der Dominikanischen Republik haben deren Regierungschefs am Wochenende unter anderem beschlossen, eine Raffinerie und eine Gaspipeline von Mexiko nach Kolumbien zu bauen.

Standortsuche

Über den Standort der Raffinerie erzielten sie jedoch keine Einigung, die Entscheidung soll bis Ende August dieses Jahres von dem Konsortium, das die Anlage bauen und betreiben soll, nach ökonomischen Gesichtspunkten gefällt werden. In der "Erklärung von La Romana" unterstreichen die Chefs der zehn Länder, dass die Anlage die energetische Versorgung vor allem der zentralamerikanischen Länder sicherstellen solle. Sie soll 2011 ihren Betrieb aufnehmen und 360.000 Fass Rohöl pro Tag verarbeiten. Mexikos Präsident Vicente Fox versprach seinen Nachbarn, dass die Energiepreise für den Verbraucher günstiger würden. (dpa, AFP, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.6.2006)

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