Islamisten erklären Sieg über US-gestützte Milizen

20. Juni 2006, 13:19
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Anführer Ahmed kündigt "neue Ära ohne Warlords in Frieden und Sicherheit" an - Hauptstadt in der Hand der islamistischen Milizen

Mogadischu - Nach dreimonatigen Kämpfen zwischen bewaffneten Milizen haben islamistische Kämpfer eigenen Angaben zufolge die somalische Hauptstadt Mogadischu vollständig in ihre Hand gebracht. Sollte sich dies bestätigen, hätten die einflussreichen Kriegsherren Somalias, erstmals seit sie den ehemaligen Diktator Mohamed Siad Barre 1991 gestürzt haben, gänzlich die Kontrolle Mogadischus verloren.

Der Islamisten-Anführer Sharif Scheich Ahmed sagte der Nachrichtenagentur AFP, "eine neue Ära ohne Warlords" beginne in Mogadischu. Die Islamisten hatten zuvor den größten Teil der Stadt und einen wichtigen Zufahrtsweg der Milizen eingenommen.

Bewohner des Stadtviertels Daynile, einer Hochburg der von den USA unterstützten Allianz für die Wiederherstellung des Friedens und gegen den Terrorismus (ARPCT) sagten AFP, ARPCT-Kämpfer hätten bereits begonnen, ihre Waffen abzugeben. Der Warlord Mohamed Afrah Kanjare, einer der ARPCT-Gründer, hatte die Hauptstadt nach Angaben von Augenzeugen am Sonntag verlassen, als sich der Sieg der Islamisten abzeichnete.

Herrschaft der Warlords beendet

In einer im Rundfunk verlesenen Erklärung Ahmeds hieß es, 15 Jahre Herrschaft der Warlords seien beendet. Die Vereinigung der islamischen Gerichte, wie der Zusammenschluss der islamistischen Kräfte heißt, habe kein Interesse an einer Fortsetzung der Kämpfe und werde nun für Frieden und Sicherheit sorgen. An die internationale Gemeinschaft gerichtet erklärte Ahmed, die Vereinigung habe "gegen niemanden etwas" und wolle "unter Beachtung der Interessen des Volkes" "mit dem Rest der Welt" verhandeln.

"Die Ära der Kriegsherren in Somalia ist vorbei", sagte ein Bewohner der Stadt. Mogadischu sei seit Montag in der Früh fest in der Hand der Moslem-Kämpfer. Ein weiterer Bewohner bestätigte der Nachrichtenagentur Reuters telefonisch, die Kämpfer hätten auf einem öffentlichen Treffen ihren Sieg verkündet und gesagt, sie wollten gemeinsam mit den Bewohnern der Stadt die Sicherheitslage verbessern. Dies halte er für eine gute Nachricht. "Wir freuen uns auf ein Leben ohne Kämpfe."

Gerüchte über US-Unterstützung von Milizen

Die Islamische Miliz unterstützt Geistliche, die für eine strikte Umsetzung der Scharia, des islamischen Rechts, sind. Der rivalisierenden Miliz "Mogadischu Anti-Terrorismus-Koalition" (Allianz für die Wiederherstellung des Friedens und gegen den Terrorismus/ARPCT) wird dagegen nachgesagt, Unterstützung von den USA zu erhalten. Ein Mitglied der Koalition sagte, die meisten Anführer hätten sich in die Stadt Jowhar zurückgezogen. "Wir haben keine umgehenden Pläne", sagte er.

Am Samstag oder Sonntag hatten die Moslem-Milizen die strategisch wichtige Stadt Balad eingenommen. Der 30 Kilometer außerhalb von Mogadischu gelegene Ort liegt auf der Versorgungsroute nach Jowhar, der Hochburg der Koalitions-Miliz. Bei den Gefechten wurden 18 Menschen getötet. Am Montag ging der letzte Bezirk der Hauptstadt Augenzeugen zufolge kampflos an die Islamische Miliz über.

Übergangsregierung will verhandeln

Ein Sprecher der somalischen Übergangsregierung sagte, er hoffe auf baldige Gespräche mit der Moslem-Miliz. Er hoffe außerdem, die Kämpfer würden die wichtige Rolle der Regierung anerkennen. "Wir sind bereit, mit ihnen zu sprechen, damit ein weiteres Leiden der unschuldigen somalischen Bevölkerung verhindert wird." Die Übergangsregierung kehrte im vergangenen Jahr aus dem kenianischem Exil zurück, war aber nicht in der Lage, die Ordnung wiederherzustellen. Aus Sicherheitsgründen hat die Verwaltung ihren Sitz außerhalb der Hauptstadt.

Die ARPCT-Milizen kämpften seit ihrer Gründung im Februar gegen die Islamisten, die von westlichen Geheimdiensten verdächtigt werden, mit dem Terrornetzwerk Al Kaida in Verbindung zu stehen. In den fast vier Monate dauernden Kämpfen kamen mindestens 347 Menschen ums Leben, mehr als 1500 wurden verletzt. Die USA bestätigen offiziell nicht die Unterstützung der Milizen, dementieren dies jedoch auch nicht. US-Regierungsvertreter sagten AFP, sie hätten den Milizen Geld und Geheimdienstinformationen zur Verfügung gestellt.

In Somalia herrscht seit 1991 Bürgerkrieg. Clanchefs stürzten damals Diktator Mohammed Siad Barre. Seitdem gibt es in dem bitterarmen Land am Horn von Afrika keine funktionierenden staatlichen Institutionen mehr. Das vor eineinhalb Jahren ins Leben gerufene Übergangsparlament, der Präsident und die Regierung besitzen keine Autorität. (APA)

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    Islamisten-Anführer Sharif Scheich Ahmed

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