Schönborn gegen Aufgabe des Zölibats

21. Juni 2006, 11:20
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Politiker sollen im Dialog mit dem Islam die Frage der Gegenseitigkeit der Religionsfreiheit stellen

Wien - Ein klares Nein zur Aufhebung des Zölibats für römisch-katholische Priester kommt vom Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn. "Die Priesterweihe von verheirateten Männern ist in der römisch-katholischen Kirche keine Tradition", so der Kardinal am Pfingstsonntag in der Fernseh-"Pressestunde". Im Verhältnis zwischen Christentum und Islam hat Schönborn die europäischen Politiker aufgefordert, die Frage der Gegenseitigkeit der Religionsfreiheit zu stellen.

Nach Ansicht des Kardinals ist der Priestermangel in Österreich "spürbar, schmerzlich, aber noch nicht dramatisch". Er ist überzeugt, dass "in dem Maß, in dem die Kirche im Glauben wieder mehr Tritt fasst, auch die Zahl der Priester- und Ordensberufungen wieder wachsen wird". Die Weihe von "bewährten, verheirateten Männern" gebe es nur beim Diakonat, nicht beim Priesteramt. In jedem Fall könne diese Frage nicht in Österreich entschieden werden, weil dies eine Frage der Weltkirche sei. Und "es ist auch nicht unsere aktuelle Frage", meinte Schönborn.

Sorge um Bevölkerungsentwicklung

Besorgt äußerte sich der Erzbischof über die Bevölkerungsentwicklung in Europa und in Österreich. Es gebe hier ein "Nein zur eigenen Zukunft - vor diesem Faktum kann man nicht die Augen verschließen". Zur Zukunft gehöre ein "Ja zum Leben". Als "Zeichen", dass dieses "Ja zum Leben" fehle, nannte er die Empfängnisverhütung, die Abtreibung und die Homosexuellen-Ehe.

Im Islam gebe es eine andere Entwicklung: "Der Islam hat sich für den Weg des Kinderreichtums entschieden, wir für einen anderen", so Kardinal Schönborn. Der Islam sei daher heute "eine millionenfache Realität in Europa - wir wollen und wir müssen mit ihm leben".

Schönborn forderte die Politiker auf, offen darüber zu reden, ob für Christen in islamischen Ländern - wie Saudi-Arabien, Jemen oder auch Türkei - die selben Bedingungen gegeben sind wie für Muslime in Europa. Ausdrücklich bedauert wurde von ihm, dass diese "Frage der gegenseitigen Religionsfreiheit" nicht in das Monitoring der EU für den Beitritt der Türkei aufgenommen wurde.

"Gottesbezug in die Verfassung"

Neuerlich sprach sich der Erzbischof für einen Gottesbezug in einer europäischen Verfassung aus. "Wir brauchen diese letzte Verankerung", um die Werte, die Europa ausmachen, auch zu garantieren. Es seien dies vor allem die "Werte der Nächstenliebe". "Wenn wird diese nicht an die Spitze stellen, stehen sie auf sehr tönernen Füßen", so der Kardinal. Schließlich sei der große Strang der europäischen Geschichte und Kultur christlich geprägt.

Überaus positiv bewertete Schönborn das erste Jahr des Pontifikats von Papst Benedikt XVI. "Papst Benedikt ist einer der überragenden Geister unserer Zeit." (APA)

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    Kardinal Schönborn zur Priesterweihe von Verheirateten: "In der römisch-katholischen Kirche keine Tradition."

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