Disput zwischen Vermittler Karner und LHStv. Strutz

21. Juni 2006, 14:18
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Historiker: Strutz wegen breiter Zustimmung zum Kompromiss nervös - BZÖ-Politiker: Karner sagt bewusst die Unwahrheit

Klagenfurt - In der Frage zweisprachiger Ortstafeln ist es jetzt zu einem Disput zwischen dem stellvertretenden Kärntner Landeshauptmann Martin Strutz und dem Historiker Stefan Karner gekommen. Der BZÖ-Politiker wirft dem Universitätsprofessor vor, bewusst die Öffentlichkeit zu täuschen und die Unwahrheit zu sagen. Dieser ortet bei Strutz zunehmende Nervosität wegen der angeblich breiten Zustimmung des von ihm miterarbeiteten Kompromisses.

Auslöser für die Kontroverse zwischen dem Kärntner BZÖ-Vizechef und dem Zeitgeschichtler war ein offener Brief Karners, worin er den zwischen Slowenenvertretern und Heimatverbänden unter seiner Federführung zu Stande gekommenen Kompromiss vehement verteidigt. Es handle sich bei dem Papier, das als Grundlage für die Verordnung von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) diente, um einen "Meilenstein in der Kärntner Geschichte". Karner: "Die Unterstützungsbasis dafür wird immer breiter."

Das sieht Strutz ganz anders. "Entgegen den öffentlichen Behauptungen von Prof. Dr. Stefan Karner, dass es einen breiten Konsens für den Verordnungsentwurf von Wolfgang Schüssel für zusätzliche zweisprachige Ortstafeln in Kärnten gibt, bricht die Plattform von Tag zu Tag mehr in sich zusammen", stellte er am Wochenende fest. Von einer Einigung sei "weit und breit nichts zu sehen", im Gegenteil habe die Schüssel-Verordnung "für große Verwirrung gesorgt und den konstruktiven Weg, nämlich unter Einbindung der Kärntner Bevölkerung eine Lösung zu finden, massiv torpediert".

"Wieder am Anfang"

Nach Meinung des BZÖ-Politikers stehe man in der Ortstafel-Frage wieder am Anfang und ein Kompromiss sei "auf Grund dieser Vorgangsweise von einigen alten ÖVP-Funktionären, die im Auftrag Schüssels handelten", mehr denn je in die Ferne gerückt. Strutz: "Das BZÖ lehnt daher den Verordnungsentwurf ab und wird alle Möglichkeiten ausschöpfen, um die Bevölkerung in den Entscheidungsprozess einzubinden."

Dem widersprach Karner am Sonntag. Die "nervöse Reaktion" von Strutz zeige lediglich, dass sich eine breite Mehrheit der Kärntnerinnen und Kärntner für die Annahme des zur Begutachtung ausgesandten Entwurfes der Topographie-Verordnung ausspreche, "auch um das jahrzehntealte Thema endlich einer Lösung zuzuführen", meinte der Historiker gegenüber der APA. Karner: "Ich selbst konnte den Konsens, der diesem Entwurf zu Grunde liegt, zwischen den jahrzehntelang verfeindeten Parteien vermitteln. Getragen wird er von den Beteiligten selbst. Und diese Basis wird von Tag zu Tag breiter." (APA)

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