"JJ1" hat's schon wieder getan

9. Juni 2006, 11:26
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Erneut sieben Schafe in Bayern getötet - Finnische Bärenhunde und österreichischer Betäubungsgewehrexperte auf den Bären angesetzt

Frankfurt/Main - Der Braunbär "JJ1" hat zu Pfingsten zwei Mal wieder in Bayern zugeschlagen. Das Raubtier tötete im Landkreis Garmisch-Partenkirchen sieben Schafe, zwei Schafe und ein Ziegenkitz überlebten die Attacke mit Verletzungen. Die Tiere wurden am Sonntag bei Mittenwald gefunden, eines davon nur 70 Meter von einem Gasthof entfernt. Wegen der Gefahr auch für Menschen soll eine finnische Hundestaffel Ende der Woche die Suche nach dem Bären aufnehmen, der betäubt und unter Kontrolle gebracht werden soll.

Ein Jagdpächter fand am Sonntagvormittag die Überreste der toten Schafe und die verletzten Tiere auf einer eingezäunten Weide bei dem Dorf Klais. Auf Grund der Spuren, darunter Bärenhaare, wurde "JJ1" eindeutig identifiziert. Montag früh wurden frische Tatzenspuren oberhalb von Mittenwald entdeckt, nur vier Kilometer Luftlinie von Klais entfernt. Ein getötetes Schaf lag auf einer Weide etwa 70 Meter von einem Gasthof entfernt. Auf einer benachbarten Weide riss der Bär zwei weitere Schafe; von einem fraß er große Teile auf.

80 Kilometer marschiert

Noch am 30. Mai war er am 80 Kilometer entfernten Achensee in Tirol gesehen worden und habe offenbar "mit Siebenmeilenstiefeln" die Alpen durchquert, wie der Sprecher des bayerischen Umweltministeriums, Roland Eichhorn, sagte. Am 20. Mai hatte "JJ1" bei Oberammergau und Farchant (Landkreis Garmisch-Partenkirchen) neun Schafe und in einem Stall in Grainau zwölf Hühner getötet. Zum ersten Mal beobachtet wurde er am 4. Mai im österreichischen Vorarlberg und Tirol.

"JJ1" ist zwei Jahre alt und hat die ersten 15 Monate bei seiner Mutter im Südtiroler Naturpark Adamello Brenta verbracht. Die gab ihr Verhalten, in der Nähe von Menschen Beute zu suchen, an ihren Nachwuchs weiter. Eichhorn erklärte, eine Vergrämung der Mutter sei nicht möglich gewesen, weil man sie nicht mit einem Sender versehen habe.

Geringe Gefahr

Die Gefahr für Wanderer oder Jäger gilt als relativ gering. Der Braunbär könnte aber nach Angaben Eichhorns auch Menschen angreifen, wenn er beim Beuteschlagen gestört und in die Enge gedrängt fühlen würde. Gegen den 200-Kilo-Koloss hätte ein Mensch keine Chance.

Vorsorglich gilt für den Notfall auch die Abschusserlaubnis des bayerischen Umweltministeriums weiter, wie Eichhorn sagte. Es sei gerechtfertigt, den zwei Jahre alten "JJ1" als "Problembär" oder "Schadbär" zu bezeichnen. Das Tier verhalte sich nicht normal. Denn normalerweise würden Bären zu 80 Prozent pflanzliche Nahrung wie Wurzeln und Beeren fressen und zusätzlich kleine Tiere. Im Durchschnitt töte ein Bär nur zwei Schafe im Jahr. "JJ1" habe seit Anfang Mai schon rund 20 Schafe gerissen.

25 erfolglose Fangversuche

Nach 25 erfolglosen Fangversuchen soll eine Suchaktion zum Einfangen des Bären gestartet werden. Ein finnisches Team mit karelischen Bärenhunden wird nach Angaben Eichhorns Ende der Woche erwartet. Ein österreichischer Experte werde es begleiten, um den Bären einen Betäubungsschuss zu verpassen. Die Hunde seien so trainiert, dass sie das Tier nicht angreifen, erklärte Eichhorn. Zum Aufspüren würden frische Bärenspuren gebraucht.

"Wir versuchen, ihn lebend zu kriegen", betonte der Ministeriumssprecher. "JJ1" soll entweder mit einem Sender versehen nach Italien transportiert oder in einem Gehege im Wildpark Poing bei München untergebracht werden. Am 22. Mai hatte das Umweltministerium eine Abschussgenehmigung erteilt. Tierschützer reagierten unterschiedlich. Während der World Wildlife Fund (WWF) Verständnis für die Entscheidung äußerte, protestierte der Deutsche Tierschutzbund.

Versuche, den Bären einzufangen, scheitern nach Angaben der Experten vor allem daran, dass "JJ1" nicht, wie es normalerweise Braunbären tun, an einen Beute-Ort zurückkehrt. Der Leiter des Forstbetriebs Bad Tölz, Rudolf Plochmann, sagte am Montag der AP, die Jäger wären "höchst erfreut", wenn ein Braunbär nach 170 Jahren wieder in Deutschland ein Revier nähme. Aber "JJ1" habe zu wenig Scheu vor Menschen. "Er muss entfernt werden, damit er nicht den Ruf seiner Art kaputt macht", sagte Plochmann. Denn andere Braunbären lebten in friedlicher Koexistenz mit Menschen. Den wanderfreudigen Jungbär einzufangen, hält der Forstbetriebsleiter für schwierig: "Er verhält sich wie ein Phantom, ist heute hier und morgen dort." (APA/AP)

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