Teheran warnt vor Energiekrise bei Angriff

5. Juni 2006, 18:29
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Khamenei: Energie­versorgung aus der Region "ernsthaft gefährdet" - Rice: Drohungen nicht zu viel Bedeutung beimessen

Teheran - Das iranische Regime hat die USA vor einer weltweiten Energiekrise für den Fall eines Militärschlages gegen iranische Nuklearanlagen gewarnt. Sollten die USA einen Militäreinsatz beginnen, werde die Energieversorgung aus der Region "ernsthaft gefährdet", sagte das geistliche Oberhaupt des Iran, Ayatollah Ali Khamenei, am Sonntag. Khamanei sprach zu mehreren tausend Menschen, die sich südlich von Teheran zu Ehren des vor 17 Jahren verstorbenen Revolutionsführers Ayatollah Ruhollah Khomeini versammelt hatten.

Der größte Teil des iranischen Erdöls wird über die Straße von Hormus im Persischen Golf exportiert. Der Iran hatte mehrfach gedroht, den Seeweg im Falle einer Militäroperation zu blockieren.

Wissenschaftliche Fortschritte

Khamenei rief sein Land zur Standfestigkeit im Atomstreit auf. Der Iran dürfe angesichts von "feindlichen Drohungen" und "Bestechungsangeboten" nicht auf "wissenschaftliche Fortschritte" verzichten, sagte Khamenei in einer am Sonntag vom iranischen Fernsehen ausgestrahlten Rede. "Wir haben zahlreiche wissenschaftliche Fortschritte erzielt", sagte der Ayatollah. Diese "kostbare Ressource" dürfe nicht aufgegeben werden.

Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad hatte am Samstag erneut jeglicher Diskussion über die Uran-Anreicherung eine Absage erteilt. Teheran sei jedoch bereit, das Angebot der fünf UNO-Vetomächte und Deutschlands zu prüfen. Diese hatten sich am Donnerstagabend in Wien geeinigt, dem Iran ein gemeinsames Angebot vorzulegen; Einzelheiten dazu wurden bisher nicht bekannt. Im Kern geht es aber darum, dem Iran bei der friedlichen Nutzung der Atomkraft zur Energiegewinnung zu helfen. Der Iran soll im Gegenzug auf die Anreicherung von Uran verzichten, um sicherzustellen, dass die Atomenergie nicht zum Bau von Waffen genutzt wird.

Rice: Drohungen nicht zu viel Bedeutung beimessen

Nach den Worten von US-Außenministerin Condoleezza Rice sollte den jüngsten Drohungen aus Teheran nicht zu viel Bedeutung beigemessen werden. Der Iran sei sehr abhängig von seinen Einkünften aus Erdölverkäufen, sagte Rice am Sonntag in einer Talk-Show des US-Fernsehsenders Fox News. Rund 80 Prozent des iranischen Haushaltes stammten vom Erdöl und damit entstünde für das Land ein sehr ernsthaftes Problem, wenn es die Öllieferungen stoppen würde.

Nach den Worten von Rice sehen die USA in den bisherigen Äußerungen aus Teheran auch keine generelle Ablehnung des Angebots. Die Vorschläge müssten erst übergeben werden und danach müsse man der iranischen Führung etwas Zeit geben, die Situation zu überdenken. Die Antwort müsse dann in Wochen und nicht in Monaten erfolgen, sagte Rice. Die internationale Gemeinschaft sei nicht bereit zu warten, während der Iran weitere Fortschritte bei seinem Atomprogramm mache. "Das ist kein Angebot für den Iran zu einem großen Tauschhandel", sagte Rice. (APA/dpa/Red)

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    Ayatollah Ali Khamenei warnt vor den Folgen eines Angriffs auf den Iran

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