US-Regierung und Medien zahlen Entschädigung zum Schutz von Reportern

14. Juni 2006, 15:54
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Atomwissenschaftler Lee klagte, weil Infos über laufende Ermittlungen wegen Spionageverdachts weitergegeben wurden - Preisgabe der Quellen soll nicht gerichtlich erzwungen werden

Die US-Regierung und fünf große Medienunternehmen wollen im Zuge einer außergerichtlichen Einigung 1,6 Millionen Dollar (1,24 Millionen Euro) an den früheren taiwanesisch-amerikanischen Atomwissenschaftler Wen Ho Lee als Entschädigung zahlen. Die Medienunternehmen wollten damit ihre Reporter vor einer gerichtlich erzwungenen Preisgabe ihrer Quellen schützen, berichtete die "Washington Post" am Samstag.

Lee hatte 1999 geklagt, weil Mitarbeiter der Regierung von Ex-Präsident Bill Clinton Informationen über laufende Ermittlungen gegen ihn wegen Spionageverdachts für China an Journalisten weitergegeben hatten.

Neun Monate Einzelhaft

Lee wurde 1999 im Atomforschungszentrum von Los Alamos im US-Bundesstaat New Mexico entlassen und verbrachte danach neun Monate in Einzelhaft. Lee hatte zugegeben, mit Computerdaten falsch umgegangen zu sein, wurde aber nicht wegen Spionage angeklagt.

Mit seiner Klage wollte der Atomwissenschaftler erreichen, dass die betreffenden Journalisten ihre anonymen Quellen in der Regierung preisgeben. Bei den fünf Medienunternehmen handelt es sich um die "Washington Post", die "New York Times", die "Los Angeles Times", ABC News und die Nachrichtenagentur Associated Press.

Das "Komitee für Pressefreiheit" nannte die gemeinsame Entschädigungszahlung von Regierung und Medienunternehmen einen außergewöhnlichen und unüblichen Vorgang, der Auswirkung auf andere Klagen haben könnte. (APA)

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