Ungewisse Zukunft in Violett

3. Juni 2006, 13:36
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Seit der Übernahme durch Red Bull führt eine Faninitiative die violette Fußball-Tradition der Salzburger Austria fort. Der erste Versuch mit dem PSV ist allerdings gescheitert.

Salzburg - Auch wenn es sportlich so den Anschein macht: Fußball in Salzburg – das ist nicht nur Red Bull. Zwar stellt der Energy-Drink-Hersteller mit den Profis (Bundesliga) und den Amateuren (Westliga) die zwei stärksten Teams, doch im Schatten der "Bullen" gibt es noch andere Vereine, die sich großer Beliebtheit erfreuen. Eine Sonderstellung nimmt dabei der SV Austria Salzburg ein.

Kooperation mit dem PSV

Austria Salzburg ist jener aus einer Faninitiative hervorgegangene Verein, der sich nach der Übernahme von SV Salzburg durch Red Bull im Vorjahr mit dem Ziel gegründet hat, die violette Tradition und Identität woanders weiterzuführen. Mit dem Landesligisten PSV (Polizei-Sport-Verein)/Schwarz-Weiß einigten sich die "Violetten" auf eine weitreichende Kooperation – die jedoch keine Frühjahrsaison überdauerte. Die Austria und ihre große violette Anhängerschaft muss sich nun nach einer neuen Heimat umschauen.

Zusammenarbeit gescheitert

Was war passiert? Bei einer außerordentlichen Generalversammlung des Polizei-Sport-Vereins am 1. Juni kam die Gründung ein von der Fußballsektion geplanter Zweigverein "PSV Austria" nicht zu Stande. Präsident Ernst Strasser begründete den Entschluss in den Salzburger Nachrichten: "Ich war ursprünglich bereit, einem Zweigverein zuzustimmen. Aber die Führungscrew des Austria-Fanklubs wurde in der Frühjahrssaison vertragsbrüchig. Während der Heimspiele sind Dinge passiert, die ich nicht dulden kann." Anders sieht das naturgemäß die Austria.

Ärger über Generalversammlung

Das Unverständnis der "Violetten" richtet sich vor allem an die Vorgangsweise bei der Generalversammlung. Ein Großteil der Mitglieder aus der Sektion Fußball, laut Medienberichten etwa 200, seien nicht zur Generalversammlung zugelassen worden. Auch über nicht zur Abstimmung freigegebene Anträge herrsche Verwunderung. "Diese Beschlüsse, sowie die abgehaltene Generalversammlung an sich sind nach der Rechtsmeinung unserer Anwälte nicht gültig und werden nach ihrem Sachverhalt derzeit geprüft", heißt es in einem im Fanforum veröffentlichten Statement der Austria. Das letzte Wort sei demnach in dieser Causa noch nicht gesprochen.

Ungewisse Zukunft

Für PSV-Präsident Strasser ist die Sache allerdings erledigt. Auf die Frage nach der Zukunft der Fußball-Kampfmannschaft stellt er in den Salzurger Nachrichten klar: "Das ist mir egal. Sie können austreten oder sich auflösen oder als PSV weiterspielen, nicht aber in Kooperation mit der Austria". Bei den "Violetten“ soll es nun mehrere Optionen geben, über die aber noch der Mantel des Schweigens gehüllt wird. Ausgeschlossen scheint aber, dass im Herbst noch Hunderte violette Fans am Frohnburgweg (PSV-Sportplatz) im Süden Salzburgs für Stimmung sorgen werden. Als Alternative gilt die Heimstätte des SAK im Stadtteil Nonntal, möglicherweise bereits für das entscheidenden Match um den Klassenerhalt in der Landesliga am 10. Juli gegen Schwarzach.

Identifikation wichtiger als Erfolg

Sollte der SV Austria Salzburg allerdings keinen Verein für eine Kooperation mehr finden, wäre im Herbst ein Neubeginn in der 2. Klasse (unterste Spielklasse) vonnöten. Sportlich gesehen, ein tiefer Fall. Doch, wie die Abwendung von Red Bull bereits gezeigt hat, scheint bei den violetten Fans die Identifikation und Tradition wichtiger zu sein, als der rein sportliche und finanzielle Aspekt um jeden Preis. (ans)

SV Austria Salzburg
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