IPv6 - Die nächste Generation der Internet-Ordnung

13. Juni 2006, 08:42
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Expertenkonferenz in Wien: Umsetzung gehört vorangetrieben um neue Internet-Möglichkeiten zu erschließen

Auf einer derzeit in Wien stattfindenden Expertenkonferenz zum Thema Internet Protocol Version 6 (IPv6) diskutieren Vertreter aus Wirtschaft und Industrie die weitere Vorgehensweise auf dem Weg zum Next-Generation Internet Protokoll. "IPv6 bereitet den Weg neuer Technologien und Anwendungen für den User", erklärte Mario Campolargo, Leiter des Bereichs "Emerging Technologies and Infrastructure" im Kabinett von EU-Kommissarin Viviane Reding, im Exklusiv-Gespräch mit pressetext. Die Technologie sei bereit für den Einsatz, nun gehe es darum, sie zu promoten und die Vorteile aufzuzeigen sowie die Umsetzung voranzutreiben.

Neue Webadressen

Auffälligster Vorteil von IPv6 gegenüber dem derzeit benutzten Protokoll IPv4 ist der Gewinn einer Vielzahl von neuen verwendbaren Webadressen. Der alte IPv4-Standard bietet 4,3 Mrd. Adressen, die bald knapp werden könnten. Asien beispielsweise belegt momentan nur neun Prozent der 32-Bit-IPv4-Adressen. Der neue Standard würde hingegen 2 hoch 128 mögliche Adressen erlauben, da dieser mit 128 Bit anstelle von 32 Bit ausgestattet ist. Eine IP Adresse würde dementsprechend in etwa folgendermaßen aussehen: 360.382.386.120.984.643.363.367.707.131.268.210.929 .

Vorteile

Weitere Merkmale von IPv6 sind ein besseres Routing sowie Verbesserungen der Netzwerkadministration, Sicherheitsfeatures und dem mobilen Wireless-Betrieb. Vor allem drahtlose Internetteilnehmer würden das Netz vor eine Herausforderung stellen, meint Kwanbok Jo vom Koreanischen Ministry of Communication. "Mit WLAN und RFID sind die Grenzen der verfügbaren Adressen schnell erreicht. Mit IPv6 können alle funkenden Netz-Mitglieder ohne Probleme eine eigene IP-Adresse erhalten", führt Jo aus. Korea gilt als weltweiter Vorreiter bei IPv6. Bereits 146 Organisationen nutzten IPv6 und versorgen 44.000 Koreaner mit entsprechenden Services.

Viel zu tun

Bis zur breiten Umsetzung in Europa ist jedoch noch einiges zu tun. "Es geht darum neue Netzwerke aufzubauen, die neuen Wege der Nutzung erlauben", erläutet Helmut Leopold, Verantwortlicher für technology Management bei der Telekom Austria (TA). Wirtschaftliche und politische Allianzen sollen helfen, die Technologie zu verbreiten.

Wichtige Schritte bis 2010

Auf lange Sicht kämen große Netzbetreiber an IPv6 nicht vorbei, weshalb Experten von der EU fordern, eine Führungsrolle hierbei zu übernehmen und die Implementierung voranzutreiben. Die TA will hier mit gutem Beispiel vorangehen, ihre Netze in den kommenden Jahren umstellen und anschließend neue Dienste anbieten. "Bis 2010 werden einige wichtige Schritte gesetzt sein", so Leopold. Der Endkunde wird von der Umstellung selbst nicht viel bemerken, den die Services werden dieselben sein und auch heutige Programme und Software werden bis dahin mit dem neuen Standard umgehen können. Jedoch erschließen sich eine Menge an neuen Möglichkeiten für den Kunden, sind sich die Experten einig.

IP-Adressen

Laut einer Studie von Frost & Sullivan werden die bisher eingesetzten IP-Adressen bereits in sechs Jahren alle belegt sein. Dies würde vor allem durch die wachsende Popularität von Smartphones, IPTV und ähnlichen Technologien verursacht, die verfügbare Adressen immer schneller aufbrauchen. Experten gehen weiterhin davon aus, dass der heute verwendete IPv4-Standard die Anzahl der Multimedia-Anwendungen wie IP, P2P oder Videostreaming schon bald nicht mehr auffangen können. (pte)

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    Surfen im Netz: Auffälligster Vorteil von IPv6 gegenüber dem derzeit benutzten Protokoll IPv4 ist der Gewinn einer Vielzahl von neuen verwendbaren Webadressen.

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