Moschee nach Festnahme von Terrorverdächtigen verwüstet

24. Oktober 2006, 13:10
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Polizei: Vandalismus könnte durch Hass auf Muslime motiviert worden sein

Toronto - Nach einem massiven Anti-Terroreinsatz der kanadischen Polizei mit 17 Festnahmen ist am Sonntag eine große Moschee in Toronto von Unbekannten beschädigt worden. Der Vandalismus könne durch Hass auf Muslime motiviert worden sein, wurde ein Polizeisprecher von dem kanadischen Sender CTV zitiert. Bei dem Anschlag gingen 30 Fensterscheiben und eine Tür zu Bruch. Menschen wurden nicht verletzt. Dies sei der erste Fall von Vandalismus seit dem Einzug der "International Muslims Organization" in das Gebäude im Jahr 1997, sagte ein Mitglied der Gemeinde.

Wenige Stunden zuvor hatte die kanadische Polizei die Festnahme von 17 Terrorverdächtigen, darunter fünf Jugendliche, bekannt gegeben. Ein Mitarbeiter des Geheimdienstes CSIS beschrieb die Männer als Anhänger "einer von Al Kaida inspirierten gewalttätigen Ideologie", die eine Serie von Terroranschlägen im Süden der Provinz Ontario planten.

Ammoniumnitrat

Die Verdächtigen hätten sich drei Tonnen Ammoniumnitrat zur Herstellung von Bomben "mit der Absicht beschafft, sie für Terroranschläge zu benutzen", sagte Polizeisprecher Mike McDonell. Zum Vergleich führte er an, dass der schwere Terroranschlag in Oklahoma City im Jahr 1995, bei dem 168 Menschen starben, mit einem Drittel des gleichen Materials ausgeführt wurde.

An der Festnahme in der Umgebung der Provinzhauptstadt Toronto waren mehrere hundert Polizisten beteiligt. Die Jugendlichen und die erwachsenen Männer im Alter von 19 bis 43 Jahren würden wegen terroristischer Aktivitäten angeklagt werden, hieß es. Über die genauen Vorwürfe wurde aber nichts bekannt. Ein Anwalt, der zwei der Terrorverdächtigen vertritt, bezeichnete die Vorwürfe gegen seine Mandanten als "vollkommen vage", berichtete der US-Sender CNN. Die in Gewahrsam befindlichen Männer sollten am Dienstag vor Gericht erscheinen.

Ziele

McDonnell zufolge stammen die Festgenommenen, die meisten von ihnen kanadische Staatsbürger, aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Kreisen, "einige Studenten, einige Angestellte, einige Arbeitslose". Die Gruppe habe durch das Internet miteinander kommuniziert. Während die kanadische Polizei es ablehnte, konkrete Anschlagziele der Terrorverdächtigen zu nennen, wies die Zeitung "Toronto Star" unter anderem das Büro des Geheimdienstes CSIS in Toronto sowie Parlamentsgebäude in Ottawa als Ziele der Gruppe aus.

Der kanadische Premierminister Stephen Harper lobte den Einsatz der Polizei und versprach weitere Anstrengungen der Behörden zum Schutz der nationalen Sicherheit. US-Außenministerin Condoleezza Rice bescheinigte dem Nachbarland unterdessen einen großen Erfolg im Anti-Terror-Kampf. Kanada sei sehr aktiv im Kampf gegen den Terrorismus, und zwischen beiden Ländern gebe es eine exzellente Zusammenarbeit, sagte Rice am Sonntag dem US-Fernsehsender CBS.

Nach den Worten von Rice gibt es bisher keine Hinweise darauf, dass die Festgenommenen Anschläge in den USA geplant hätten. Die USA würden den Fall aber weiter verfolgen. (APA/dpa)

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    Die kanadische Polizei präsentierte auf einer Pressekonferenz beschlagnahmtes Beweismaterial.

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    Die Gruppe soll drei Tonnen Ammoniumnitrat beschafft haben. Dieser Sprengstoff wurde auch beim Anschlag in Oklahoma City 1995 verwendet.

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