Klassenzimmer statt Sonnenbrand: Top oder Flop

10. Oktober 2006, 11:34
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Sommerakademien sind die Nutznießer des steigenden Wissensdursts vieler Urlauber. Damit diese ebenfalls profitieren, sollten ein paar Tipps beherzigt werden

Damit Enttäuschungen beim Besuch einer Sommerakademie vermieden werden, gilt eines: Drum prüfe, wer sich bindet. Leichter gesagt als getan: "Das Problem ist, dass der Begriff Sommerakademie kein geschützter Begriff ist. Jeder kann seine Veranstaltung so nennen", erklärt Martin Pöllinger von der Summer Business School - dieser Begriff wurde übrigens geschützt - des Joanneum in Graz. Gleichzeitig aber gesteht er ein, dass dieser Weg in der Praxis kaum gangbar sei. "Wer sollte den Begriff schützen und - angesichts der Vielfalt der wachsenden Zahl von Sommerakademien - Qualitätsstandards festlegen", fragt Pöllinger.

Ein Indiz für Qualität sei für ihn der Veranstalter: Ist es eine Universität oder eine Fachhochschule, könne der Kunde davon ausgehen, dass es sich um ein Qualitätsprodukt handle. Davon ist auch Gerald Rosskogler, Geschäftsführer des Europäischen Forum Alpbach, überzeugt. Neben dem akademischen Veranstalter seien auch die Punkte des ECTS (European Credit Transfer System) Indizien für Qualität. "Aber auch die Vortragenden, die wissenschaftliche Betreuung sowie das Rahmenprogramm lassen entsprechende Rückschlüsse zu", ist Rosskogler überzeugt.

Dass anhand der Lehrenden die Spreu vom Weizen getrennt werden könne, glaubt auch Gabriele Winter von der Sommerakademie Salzburg. "Der Berühmtheits- bzw. Bekanntheitsgrad von Vortragenden macht viel aus. Schließlich gehen berühmte Künstler nicht überall hin", sagt Winter. Dass ein großer Name nicht automatisch mit Talent zum Unterrichten gleichzusetzen sei, gesteht sie allerdings ein. "Für viele ist es aber reizvoll, sagen zu können, dass sie bei dem und dem Künstler gelernt haben."


Selbstevaluierung

Einen etwas anderen Weg in der Qualitätsbeurteilung sieht Alf Krauliz von der Sommerakademie Motten, die auch intern auf Quality Management setzt. "Wir evaluieren uns selbst, indem wir an unsere Gäste Fragebögen ausgeben", sagt Krauliz, der Mundpropaganda für eines der wesentlichsten Beurteilungskriterien hält. Darüber hinaus sei es im Angebotsdschungel unerlässlich, sich die Werbemittel gut durchzulesen. "In Zeiten des Internets kann man die Angebote leicht vergleichen, die Inhalte recherchieren und erkennen, ob ein Background da ist oder nicht", sagt er. Hielte sich eine Sommerakademie bereits einige Jahre auf dem Markt, könne man relativ sicher sein, dass die Realität auch den Unterlagen entspreche. Veranstalter wiederum sollten sich schlau machen, ob ihre Vortragenden in der Branche auch einen Namen als solche haben, so Krauliz. (Der Standard, Printausgabe 3./4.6.2006)

Ursula Rischanek
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