Sportliche Causa prima

11. Juni 2006, 11:30
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Dem Iran werden nur Außenseiterchancen ein­geräumt - Vier Team­kicker sind in ihrer Hei­mat sehr berühmt, sie spielen in Deutsch­land

Friedrichshafen - "Der Iran hat eine sehr gute Mannschaft und die Fähigkeit, bis ins Achtelfinale vorzustoßen."Das Vorschusslob stammt von der nicht nur ballesterisch obersten Instanz der WM, von Franz Beckenbauer. Ein Duell mit den USA freilich ist diesmal unwahrscheinlich, das ist in der Theorie erst im Halbfinale möglich. Also wird es eher nicht zu einer Neuauflage des Duells von Lyon kommen. Vor acht Jahren hatte der Iran das Vorrundenspiel bei der WM in Frankreich gegen die USA 2:1 gewonnen, zum Weiterkommen reichte es nicht. Diesmal sind Portugal, Mexiko und Angola die Gegner.

Sicherheitsstufe zwei

Am Pfingssonntag wird das iranische Team in Friedrichshafen erwartet. Die Behörden gaben die Sicherheitsstufe 2 aus. Nach jünsten Informationen wird Mahmud Ahmadi-Nejad, Staatspräsident der islamischen Republik, nicht nach Deutschland kommen. Laut Nürnberger Zeitungwill Vize-Präsident Esfandiyar Rahim Maschaie, auch Tourismusminister, das erste Spiel gegen Mexiko am 11. Juni in Nürnberg besuchen.

Die Kickerei ist der Welt liebster Sport, im Iran ist sie besonders populär. Spiele des Nationalteams im Asadi-Stadion zu Teheran werden von mehr als 100.000 Zuschauern verfolgt, die Derbys zwischen den Teheraner Traditionsklubs Persepolis und Esteghlal sind regelmäßig ausverkauft. Seit vier Jahren ist Profifußball erlaubt. 17 Sport-Tageszeitungen beschäftigen sich vorzüglich mit der Causa prima.

Erst im Mai hatte Ahmadi-Nejad überraschend angekündigt, auch Frauen den Eintritt in Stadien ermöglichen zu wollen, doch Ayatollah Ali Khamenei, der geistliche Führer des Landes und letzte Instanz bei der Gesetzgebung, legte sein Veto ein. Das Kicken ist Frauen nicht verboten, wenngleich Männern das Zusehen untersagt ist. Und die Industrie reagierte insofern schnell, als auch bereits große Sportartikelhersteller wie adidas oder Nike Sportschleier produzieren, auf dass diese bei Kopfbällen nicht verrutschen.

Der sentimentale Held im WM-Team ist Kapitän Ali Daei, der fünf Jahre in der deutschen Bundesliga wirkte, 1999 mit Bayern München Meister wurde. Der 37-jährige Stürmer, der mittlerweile für Saba Battery Teheran spielt, war mit neun Toren erfolgreichster Schütze in der WM-Quali, insgesamt hat er es auf mehr als 100 Teamtore gebracht. Ali Karimi (Bayern), Mehdi Mahdavikia (HSV), Vahid Hashemian (Hannover) und Ferydoon Zandi (Kaiserslautern) arbeiten gegenwärtig im WM-Gastgeberland. Das Quartett hat es in der Heimat zu großer Berühmtheit gebracht. Trainiert wird das Team vom Kroaten Branko Ivankoviæ. (sid, APA, bez, , DER STANDARD Printausgabe 3. Juni 2006)

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    Irans Team beim letzten Testspiel.

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