Fall Mayer: Freispruch ohne Anklage

9. Juni 2006, 12:45
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Verwunderung über den "Freispruch" für Walter Mayer - Verurteilt wurde Langläufer Eder, dieser will das aber so nicht akzeptieren

Wien/Spittal an der Drau - Der vorerst einzige nach den Vorkommnissen von Turin belangte österreichische Athlet, Langläufer Johannes Eder, hat Einspruch gegen seine vom Skiverband (ÖSV) verhängte einjährige Doping-Sperre erhoben. Eder, der sich während Olympia selbstständig eine Kochsalzlösung injiziert hatte (eine Infusion durch einen Arzt wäre erlaubt gewesen), will vor den Internationa- len Sportschiedsgerichtshof (CAS) in Lausanne ziehen.

Arnold Riebenbauer, Mitglied der ÖSV-Disziplinarkommission, hält das für äußerst riskant. Stellen sich die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) oder der Internationale Skiverband (FIS) gegen den Einspruch, könnte Eder sogar eine Verdoppelung der Sperre drohen. Laut Riebenbauer hätte der ÖSV wegen der "rigorosen Strafbestimmungen"eine einjährige Sperre verhängen müssen, obwohl Eders Vergehen nur als maximal "leicht fahrlässig"beurteilt worden war. Die Biathleten Wolfgang Perner und Wolfgang Rottmann sind vom ÖSV auch dann nicht zu belangen, wenn ihnen Dopingvergehen nachgewiesen werden könnten. Nach ihren Rücktritten gehören die beiden nicht mehr dem ÖSV an.

Vom ÖSV nur suspendiert ist Ex-Trainer Walter Mayer, dessen Anwesenheit im Februar die Razzien in den Olympia-Quartieren der ÖSV-Biathleten und -Langläufer ausgelöst haben dürfte. Der ÖSV hat nach Abschluss der Voruntersuchungen schon im April festgehalten, dass die Vorwürfe, Mayer habe Doping für die ÖSV-Athleten organisiert, jeder Grundlage entbehren. Umso überraschter zeigte sich Riebenbauer über am Donnerstag aufgetauchte Meldungen, der ÖSV habe Mayer erst jetzt "freigesprochen". Selbst der Ausdruck "Freispruch"sei missverständlich. "Er war ja von uns nie angeklagt", sagte Riebenbauer, der im Zivilleben Richter am Bezirksgericht Spittal/Drau ist.

Im Prinzip sei die Causa Mayer für den ÖSV erledigt. Nur durch die Turiner Staatsanwaltschaft vorgelegte Beweise könnten das ändern. "Das ganze Theater hat ja nur wegen der Person Walter Mayer begonnen. Bisher war aber alles nur heiße Luft", so Riebenbauer. (APA, red, DER STANDARD Printausgabe 3. Juni 2006)

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