Technik mit Töchtern

3. Juni 2006, 10:00
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Der steirische Töchtertag will die Grenzen zwischen Männer- und Frauenberufen aufbrechen und schaffte heuer einen neuen Rekord

"Armut ist noch immer weiblich und oft ist die Berufswahl Schuld daran", sagt Tina Eberhart von Mafalda. Der Verein für Mädchenförderung organisierte vergangene Woche bereits zum dritten Mal den Töchtertag in steirischen Bezirken. Mädchen begleiten dabei ihre Eltern in Betriebe und blicken ihnen einen Tag lang bei Arbeiten im technischen Bereich über die Schulter. Mafalda will dadurch den Mädchen neue Horizonte eröffnen, damit sie sich nicht nur auf so genannte "Frauenberufe" fixieren.

Diese sind häufig Armutsfallen. Der Einkommensunterschied sei oft schon im ersten Lehrjahr eklatant, erklärt Eberhart, die den Töchtertag gemeinsam mit ihrer Kollegin Daniela Winkler organisiert: "Bereits zu Beginn verdient eine Friseurin um 35 Prozent weniger als ein KFZ-Mechaniker – da geht es um Summen von bis zu 500 Euro." Aufstiegschancen gebe es in den traditionellen Frauenberufen nur sehr beschränkt. Das ist mit ein Grund für die auseinanderklaffende Einkommensschere, meint Eberhart: "Auch wenn man die Teilzeit-Jobs weglässt, verdienen Frauen in Österreich im Durchschnitt um 21 Prozent weniger als Männer – damit liegen wir im Europavergleich im Spitzenfeld."

Die Statistik zeigt, dass die Linie zwischen typischen Männer- und Frauenberufen noch immer sehr scharf verläuft: In traditionellen Männerberufen wie MechanikerIn und ElektroinstallateurIn erreicht der Frauenanteil nicht einmal die Zwei-Prozent-Marke. In der Steiermark absolvieren fast siebzig Prozent aller Frauen eine Lehre im Dienstleistungsbereich.

700 Töchter

Das könnte sich ändern, würden sich auch Mädchen mehr für technische Berufe begeistern, glaubt das Mafalda-Team. "Meistens machen Mädchen aber um solche Berufe einen großen Bogen", erklärt Karin Nutz von Mafalda. Schon als Kinder würden sie nämlich, was die Technik betrifft nicht so stark gefördert.

Dabei zeigt der Töchtertag einmal mehr, dass Mädchen für die so genannten Männerjobs genauso geeignet wären: "Eltern und LehrerInnen wundern sich häufig, wie geschickt und genau die Mädchen Hand anlegen", so Eberhart. Heuer wurde am Töchtertag ein neuer Rekord erzielt: In den steirischen Bezirken Bruck, Deutschlandsberg und Weiz begleiteten rund 700 Mädchen ihre Eltern in 500 Betriebe zur Arbeit. Eine Fragebogen-Auswertung ergab, dass 94 Prozent der Mädchen den Töchtertag weiterempfehlen würde. Eberhart weiß allerdings, dass wegen der Aktion nicht alle Mädchen ihre Berufswünsche umkrempeln werden: "Es bleibt noch viel zu tun." (donja)

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