Bär bekommt eine zweite Chance

6. Juni 2006, 13:10
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JJ1, der weiterhin durch Tirol streift, soll nun doch nicht abgeschossen werden

Innsbruck – Die meisten bangten um sein bäriges Leben, wenige andere hätten ihm am liebsten das braune Fell über die Ohren gezogen.

Nach der Aufregung um JJ1, der tagelang seine Verfolger narrte, nach Diskussionen, ob der "Problembär" abgeschossen werden, oder doch besser verschont werden solle, nimmt Tirol nun eine freundlichere Haltung gegenüber JJ1 und seinen pelzigen Kollegen ein. Landesrat Anton Steixner (VP) hat nun angekündigt, dass als als erster Schritt die im Bezirk Reutte ausgesprochene Abschussgenehmigung widerrufen wird. „JJ1 soll eine zweite Chance bekommen“, sagte Steixner.

Für Zuwanderung offen

Doch damit nicht genug: Tirol sei für die Bärenzuwanderung offen und heiße sie willkommen, betonte Steixner. Außerdem werde daran gedacht, gemeinsam mit Bayern und Vorarlberg einen Bärenanwalt zu engagieren.

Allerdings müsse das Land gut darauf vorbereitet sein. Daher solle Tirol dem Bärenmanagemant- Plan des WWF beitreten. Dieser regelt österreichweit die Vorgehensweise, wenn ein Bär zum Problemfall wird. Bären fallen unter das Jagdgesetz und gelten als ganzjährig geschonte Tiere. Da Jagdgesetze Landessache sind, kann jedes Bundesland eigenständig entscheiden, wie mit auffälligen Tieren umgegangen wird. Deshalb wurde der Management-Plan als Leitlinie für einheitliche Maßnahmen erarbeitet.

Bisher haben Niederösterreich, die Steiermark, Kärnten, Oberösterreich und Salzburg den Plan übernommen. Tirol hat bisher noch nicht daran teilgenommen, weil es dort bis zum Auftauchen von JJ1 keine Bären gegeben hat.

Steixner bezweifelt jedoch, dass Tirol ständiger Siedlungsraum für Braunbären werde. „Es kann aber sein, dass immer wieder einer durchzieht und dann müssen wir darauf vorbereitet sein. Der erste Schritt dazu ist der Management-Plan.“

Bär soll gefangen werden

Dennoch wird in Tirol weiterhin alles unternommen, um JJ1 zu fangen. Denn auch für den WWF ist klar, dass das Tier wegen seines Verhaltens nicht in freier Wildbahn bleiben könne.

JJ1 entstammt einer auffälligen Bärenfamilie aus dem Trentino. Bereits sein Bruder JJ2, der seit 2005 spurlos verschwunden ist, und seine Mutter Jurka zeigten wenig Scheu vor Menschen.

Für den Bezirk Schwaz, wo der Bär Anfang der Woche zum letzten Mal gesehen wurde, werde jedenfalls kein Abschussbescheid ausgegeben, betonte Steixner. Bei Notsituationen in Siedlungsgebieten dürfe aber in ganz Tirol abgeschossen werden. Eines habe sich jedenfalls gezeigt, sagte Steixner, „die Abneigung der Menschen gegen diese Tiere hat sich ins Gegenteil verkehrt“.

Unbeliebt in Frankreich

Weiterhin ungeliebt sind die Bären in Frankreich. Ungeachtet der Gewaltandrohungen radikaler Bärengegner wurde am Freitag in den französischen Pyrenäen der vierte Bär aus Slowenien binnen fünf Wochen ausgesetzt. Die Schauspieler Gérard Depardieu und Fanny Ardant übernahmen die Patenschaft für das vier Jahre alte Männchen namens Balou.

Noch am Donnerstag hatten Vertreter der Bauern und Schafzüchter gedroht, ein geplantes Fest der Bärenfreunde gewaltsam zu stören, falls weitere Bären in der südfranzösischen Bergwelt ausgesetzt würden. Vor Balou wurden seit Ende April bereits drei Weibchen in die Freiheit entlassen. Ein weiteres soll folgen, um das Überleben der Tiere zu sichern. (APA, fern, DER STANDARD Printausgabe, 3./4./5.6.2006)

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    Die Fährte des JJ1: Er soll nun doch nicht abgeschossen werden - zumindest in Tirol

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