Verstöße gegen ORF-Statut nicht so spät melden, rät Mück

26. Juli 2006, 12:21
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Opposition versucht, TV-Chefredakteur zu demontieren - BZÖ nähert sich ÖVP - Bei Schwarz und Rot kursieren alternative Kandidaten

ÖVP-Klubobmann Wilhelm Molterer hat ORF-Generalin Monika Lindner später am Dienstag beiseite genommen, kursiert derzeit auf hohen ORF-Ebenen. Kolportierte Botschaft: In der Debatte um Politfunk agiert sie nicht sonderlich glücklich.

Überraschen würde das weder im ORF noch in der ÖVP. "Völlig absurd", lässt Molterer aber ausrichten: "Der einzige Kopf, den ich wasche, ist mein eigener."

Hoher Job

Ein hoher Job für TV-Chefredakteur Werner Mück soll Kanzler Wolfgang Schüssel und Molterer mehr am Herzen liegen als weitere fünf Jahre Lindners als Generalin. Auch deshalb verschärft die Opposition Angriffe auf ihn.

Mück habe "ZiB"-Redakteuren 2003 untersagt, von kritischen Rechnungshof-Papieren zu den Eurofightern zu berichten, schreibt profil. 2005 habe er eine Redakteurin von einer "heiklen Story" über EU-Kommissarin Benita Ferrero-Waldner abziehen lassen.

"Für diese Entscheidungen gab es rein sachliche Gründe", erklärt Mück dem STANDARD: "Mehr sage ich dazu nicht, denn ich halte mich strikt an das Redaktionsgeheimnis, wie das alle Journalisten von Format tun." Später ein Nachsatz: "Verstöße gegen das Redakteursstatut des ORF sind übrigens unverzüglich und nicht mit jahrelanger Verspätung den Redakteurssprechern zur Kenntnis zu bringen."

Mück beurlauben

Einen "klaren Verstoß gegen die Bestimmungen des Redaktionsstatuts" sieht jedenfalls Grünen-Chef Alexander Van der Bellen. Der Stiftungsrat der Grünen, Pius Strobl nimmt die neuen Vorwürfe zum Anlass, umso nachdrücklicher Mücks Suspendierung für deren Untersuchung zu fordern. Generalin Lindner hatte bei seiner ersten Forderung "mehr Substanz" verlangt. Die sei damit gegeben. Sie hätte "Sorge zu tragen, dass im ORF kein System der permanenten politischen Manipulation entsteht, das scheinbar mit Angstausübung, Karrieredruck und Mobbing aufrechterhalten wird." Ebenso "fassungslos" SPÖ-Rechnungshofsprecher Günther Kräuter.

In Kräuters Fraktion kursiert seit Tagen Rudi Klausnitzer als potenzieller Kandidat für die ORF-Führung. Die Spitze der News-Gruppe verließ er zuletzt vorzeitig. Rote sinnierten schon über Sportchef Elmar Oberhauser, Ex-Kurier-Herausgeber Peter Rabl (zum Wahltermin auf Seereise, sagt der) und den ehemaligen RTL-Manager Hans Mahr.

Marboe kursiert

Aber auch aus der Volkspartei hört man - sehr verhalten - von angeblichen Kompromissvarianten, etwa dem früheren Wiener VP-Chef und Mozartjahrmanager Peter Marboe. Doch Lindner und Mück stehen noch länger ganz oben auf der Liste der Schwarzen - und so auf der schwarzen Liste anderer Fraktionen.

BZÖ-Stimmen aus dem Stiftungsrat nähern sich freilich wieder der ÖVP, die sie bei der Generalswahl Mitte August gut brauchen kann. Stiftungsrat Gert Seeber hat zwar die Sondersitzung zum Politfunk unterstützt, verteidigt aber Lindner und Mück nun per Aussendung und lobt den ORF. Sein Fraktionskollege Walter Meischberger wünschte sich zuletzt wiederholt Alternativen zu Lindner.

Runder Tisch am 9.

Die interne Aussprache Lindners über den Clinch in der TV-Information soll kommenden Freitag stattfinden, davor stellt sich die Generalin noch 250 Führungskräften und dem Publikumsrat, danach den Stiftungsräten.

Die Initiative www.sos-orf.at näherte sich Freitag langsam 50.000 Unterstützern. (DER STANDARD, Printausgabe, 3./4./5.6.2006)

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    "Permanente politische Manipulation" werfen die Grünen TV-Chefredakteur Werner Mück (hinten) vor. Kanzler Schüssel sieht das wahrscheinlich ein bisschen anders.

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