Interesse für Exchange Traded Funds blüht

19. Juni 2006, 14:03
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Das Segment für so genannte Indexaktien der Wiener Börse wird erstmals mit einem heimischen Angebot bestückt. Die Erste Bank setzt dabei auf den Ost-Index NTX

Wien – Seit sechs Monaten notieren Indexaktien, so genannte Exchange Traded Funds (ETF) an der Wiener Börse. Das Interesse an diesem Segment ist stärker gewachsen als vom Börse- Vorstand Michael Buhl erwartet: "Für das Jahr 2006 haben wir ein Volumen von 500 Millionen Euro in diesem Segment erwartet. Tatsächlich liegen wir per Ende Mai bereits bei 700 Millionen."

Erste Bank startet

Das ETF-Angebot wurde bisher nur von ausländischen Anbietern gespeist: Die deutsche HVB-Tochter Indexchange Investment AG hat sieben ETF – darunter eines auf den ATX – begeben, die französische Lyxor vier. Dieses Angebot wurde per 1. Juni von der Erste Bank erweitert. Als erster heimischer Anbieter hat die Bank einen ETF auf den NTX, den New Europa Blue Chip Index, aufgelegt. Der NTX besteht aus 30 Blue Chips, die an den Börsen der Region Zentral-, Ost und Südosteuropa gehandelt werden.

"Die Dynamik in diesem Segment ist weltweit sehr hoch", erklärt Buhl im Gespräch mit dem STANDARD. Das in ETF angelegte Vermögen stieg weltweit von etwa 25 Milliarden Dollar (1999) auf über 400 Milliarden Dollar Ende 2005. In Europa stieg das in ETF angelegte Vermögen von etwa fünf Milliarden Dollar (2001) auf rund 55 Milliarden per Ende 2005. Rund 95 Prozent des bisherigen Handelsvolumens wurde in Wien bisher von institutionellen Anlegern gehandelt. Etwa 35 Millionen Euro (fünf Prozent) wurden von Privatanlegern gekauft.

Täglich handelbar

Für den Börsen-Chef sind ETF auch eine Möglichkeit, dass Österreich in Sachen Aktienbesitz zum europäischen Durchschnitt aufschließt. "ETF werden dazu beitragen, dass der Aktienbesitz in Österreich erhöht wird", sagte Buhl. Denn wer mit einer Aktie den ganzen Index "besitzt", bekomme sicher auch Lust auf den ein oder anderen Einzeltitel.

Das international steigende Interesse erklärt Buhl mit den Vorteilen, die dieses Produkt mit sich bringe. Denn anders als Zertifikate, die auch Indices abbilden, sind ETF täglich handelbar und haben keine vorbestimmte Laufzeit. Außerdem muss für ETF – anders als bei Fonds – kein Ausgabeaufschlag bezahlt werden. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3./4./5.6.2006)

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Wissen

Exchange Traded Funds (ETF) sind Indexaktien. Sie bilden einen bestimmten Index, etwa den Leitindex ATX, eins zu eins ab. Der Wert eines ETF steigt und fällt daher parallel zum jeweiligen Index. Indexaktien sind täglich an der Börse handelbar. Das grenzt sie von Indexzertifikaten ab, die eine vorbestimmte Laufzeit haben. (bpf)
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