Pechsträhne der Deutschen Börse hält an

4. Juli 2006, 15:50
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Der frühere Chef Werner Seifert hatte zweimal versucht, mit der London Stock Exchange zu fusionieren

Wien/Frankfurt – Für die Deutsche Börse ist die Fusion von Euronext und NYSE der Höhepunkt einer langen Serie von Missgeschicken. Der frühere Börsenchef Werner Seifert hatte zweimal versucht, mit der London Stock Exchange (LSE) zu fusionieren. Der erste Vorstoß im Jahr 2000 wurde durch ein Gegenangebot der schwedischen OM für die LSE durchkreuzt, das diese allerdings abwehren konnte. Seiferts zweites Angebot im Dezember 2004 löste einen Aufstand einiger Großaktionäre aus. Angeführt vom britischen Hedgefonds TCI erzwangen sie im Mai 2005 Seiferts Rücktritt. Nachfolger wurde der Chef der Schweizer SWX, Reto Francioni, der nun an der Euronext gescheitert ist. Auch Aufsichtsratspräsident Rolf Breuer musste gehen.

Erfolgreich war die Deutsche Börse mit der Übernahme des Wertpapierabwicklers Clearstream, doch die daraus resultierende Verbindung von Handel und Abwicklung unter einem Dach wird von vielen Investoren abgelehnt.

Zur Deutschen Börse gehört die Eurex, die größte Terminbörse der Welt. Deren Ableger in Chicago, die mit großen US-Terminbörsen CBoT und CME konkurrieren will, erweist sich als Flop, Eurex-Chef Rudolf Ferscha, ein Österreicher, trat vor Kurzem zurück. Nun fürchten die Deutschen, im weltweiten Heiratsfieber allein zurückzubleiben. (ef, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3./4./5.6.2006)

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