Vorläufige Parole Teherans: "Wir lassen uns nicht einschüchtern"

8. Juni 2006, 11:16
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Iran beharrt auf seinem Recht auf Uran-Anreicherung

Der Iran werde auf sein Recht auf Uran-Anreicherung nicht verzichten. Diese Worte von Staatspräsident Mahmud Ahmadi-Nejad am Rande eines Treffens mit dem Vorsitzenden der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC), Ekmeleddin Ihsanoglu, waren bis Freitagnachmittag die einzige quasi offizielle Reaktion der iranischen Staatsspitze auf die Beschlüsse des Wiener Außenministertreffens vom Vortag. Ahmadi-Nejad bezog sich jedoch nicht ausdrücklich auf die Wiener Konferenz.

Staatsfernsehen und -rundfunk meldeten am Freitag in den Hauptnachrichten, das Wiener Treffen sei ohne erkennbaren Erfolg zu Ende gegangen. Kommentiert wurde die Außenministerkonferenz entgegen sonstiger Übung aber nicht.

Ähnlich wie Ahmadi-Nejad äußerte sich ein prominenter Geistlicher. Der Iran werde sich durch wachsenden westlichen Druck nicht einschüchtern und dazu bringen lassen, seine Arbeiten zur Herstellung von nuklearem Brennstoff einzustellen, sagte Ahmed Khatami vor Gläubigen während des Freitagsgebets in einer Teheraner Moschee. "Die iranische Nation ist bereit, jeden Preis zu zahlen, um ihr Recht (auf Nukleartechnologie) zu schützen", sagte Khatami, ein Mitglied der Expertenversammlung, die den geistlichen Führer Ayatollah Khamenei berät. Der Iran fürchte sich weder vor Sanktionen noch vor einem militärischen Angriff.

Khomeinis Todestag

Mit einer offiziellen Stellungnahme wird in Teheran erst für Sonntag gerechnet, wenn der Todestag von Revolutionsführer Khomeini begangen wird. Bei diesem Anlass äußert sich das geistliche Oberhaupt Khamenei traditionsgemäß zur aktuellen politischen Situation im Iran.

Verhandlungen mit dem Iran an Bedingungen zu knüpfen, stößt sogar bei den Reformern, die bisher immer direkte Gespräche mit den USA verlangten, auf Widerstand. "Der Iran ist ein souveränes Land und kann nur unter gleichen Bedingungen mit den USA verhandeln", meinte etwa der frühere Parlamentsabgeordnete Ahmad Shirzad, Mitglied der oppositionellen Mosharekat-Partei. "Nur um die Verhandlungen in Wien in Schwung zu bringen und die chinesische Haltung zu beeinflussen, hat US-Außenministerin Rice dem Iran Verhandlungen abgeboten", sagte der Chef des außenpolitischen Ausschusses im iranischen Parlament, Alaedin Borojerdi. (DER STANDARD, Printausgabe, 3.6.2006)

Amir Loghmany aus Teheran
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