USA: Zins- und Konjunkturängste Ursache für hohe Volatilität

6. Juni 2006, 19:09
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Ein Kommentar von Alexander Sikora-Sikl aus dem Equity Weekly der Erste Bank

Der US Aktienmarkt konnte in der abgelaufenen Handelswoche zwar zulegen, verzeichnete jedoch einen äußerst volatilen Kursverlauf. So wies der Volatilitätsindex des S&P 500 den kräftigsten Anstieg seit dem 11. September 2001 auf. Grund für die Kursschwankungen waren einmal mehr Zins- und Konjunkturängste. Ein schwach gemeldetes Konsumentenvertrauen, der Hinweis der Fed von Chicago auf die hohe Inflation, der schwache Dollar sowie Protokolle der Fed, denen zufolge ein Zinsschritt um 50Bp überlegt werde, brachten den Markt zu Wochenbeginn deutlich unter Druck. Gegen Wochenschluss hingegen sorgten die überraschend stark gestiegene Arbeitsproduktivität bei gleichzeitig unterdurchschnittlichen Lohnzuwächsen zu einem Abflauen der Inflationsängste. Auch die leicht rückläufigen Bauausgaben sowie der gemeldete ISM Index nährten die Hoffnung auf eine lediglich gemäßigte Erhöhung der Leitzinsen. Schließlich zeigte der Anstieg der Einzelhandelsumsätze für Mai, dass die hohen Energiepreise das Konsumverhalten wenig belastet haben und dass der private Konsum weiterhin eine Stütze der Konjunktur darstellen dürfte.

Zusätzliche Impulse erhielt der Markt von einer Reihe von Übernahmeankündigungen. So legte der größte Einzelaktionär ein Übernahmeangebot für den Pipelinebetreiber Kinder Morgan im Wert von USD 13,4 Mrd. vor. Der Chemiekonzern Engelhard akzeptierte die USD 5 Mrd. Offerte von BASF. Im Versorgersektor bahnt sich derzeit eine feindliche Übernahme an. Mirant will den texanischen Stromproduzenten NRG Energy für USD 7,9 Mrd. kaufen. Der Telekomausrüster ADC Telecom bietet für den Konkurrenten Andrew Corp. USD 2 Mrd. Die New York Stock Exchange schließlich wird die EuroNext für USD 10,7 Mrd. übernehmen. Somit wurden seit Jahresbeginn 4.412 Deals mit einem Gesamtvolumen von USD 689 Mrd. angekündigt.

Auf Unternehmensseite waren mehrheitlich positive Nachrichten zu vernehmen gewesen. So erhöhte der größte Produzent von Hybridsaatgut Monsanto sein Gewinnziel für das laufende Geschäftsjahr, nachdem bei neuen schädlingsresistenten Pflanzen ein deutliches Umsatzplus zu verbuchen gewesen war. Der weltweit zweitgrößte Juwelier Tiffany profitierte von einem Nachfrageschub aus Japan und legte Quartalszahlen über den Markterwartungen vor. Der Telekomausrüster Ciena überraschte mit seinen veröffentlichten Quartalszahlen positiv und hob zugleich seinen Umsatzausblick für das laufende Quartal an. JC Penny, drittgrößte Supermarktkette der USA, konnte einen kräftigen Kurszuwachs verzeichnen, nachdem das Unternehmen einen Umsatzsprung von 11% für das vergangene Quartal gemeldet hatte. Lediglich WalMart enttäuschte mit einer schwachen Umsatzentwicklung für den Monat Mai.

Wie die Reaktion auf die zuletzt publizierten Zahlen zeigt, befindet sich der Markt derzeit in einer äußerst nervösen Verfassung. In der kommenden Wochen stehen nur wenige ökonomische Indikatoren oder Unternehmensdaten zur Veröffentlichung an, weshalb wir mit einer Beruhigung des volatilen Kursverlaufes und einer seitwärtsgerichteten Marktbewegung rechnen.

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