Wirbel um Englands neue Taktik

10. Juni 2006, 10:54
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Medien von nur einer Spitze nicht begeistert - Eriksson gesteht "klei­nere Fehl­entscheidung" - Lampard steht zum Teamchef

Manchester - Kapitän David Beckham und Co. scheinen für die WM gerüstet zu sein, doch die neue Taktik der Nationalmannschaft lässt Fußball-England um eine erfolgreiche Weltmeisterschaft bangen. Die heftige Medienkritik am experimentierfreudigen Trainer Sven-Göran Eriksson und dessen Abkehr vom bevorzugten 4-4-2-System ist bei der Mannschaft allerdings auf wenig Verständnis gestoßen.

Verschiedene Optionen

"Der Trainer hat mein vollstes Vertrauen", sagte Mittelfeldchef Frank Lampard und wies die Bedenken der Öffentlichkeit zurück. "Wir wären dumm, wenn wir nicht verschiedene Optionen ausprobieren würden, denn wir wollen auch in Deutschland mehrere Möglichkeiten haben."

Die Verletzung von Stürmerstar Wayne Rooney, der wegen eines Mittelfußknochenbruchs wohl frühestens im Achtelfinale zur Verfügung stehen wird, hatte Erikssons Pläne über den Haufen geworfen und ihn zum Experimentieren gezwungen. Die beim 3:1 gegen Ungarn am vergangenen Dienstag getestete 4-5-1-Formation löste in den Medien einen lauten Aufschrei aus. Eriksson gab zu, dass die Aufstellung mit Michael Owen als einziger Spitze, Steven Gerrard in der ungewohnten Rolle als zweiter Stürmer und Jamie Carragher als defensiver Mittelfeldspieler eine "kleinere Fehlentscheidung" war.

Lampard und Gerrard

Dennoch will der Schwede an dem ungewohnten System festhalten und bei der vom Tiroler Konrad Plautz geleiteten WM-Generalprobe gegen Jamaika am Samstag in Manchester erneut seine Startelf für den Gruppenauftakt gegen Paraguay am 10. Juni in Frankfurt/Main auf den Prüfstand stellen. Ein weiterer Versuch mit Peter Crouch als zweite Spitze ist allerdings nicht ausgeschlossen. "Ich weiß nicht, was die Leute wollen. Das System hat doch funktioniert, und es ist doch gut, wenn wir verschiedene Optionen haben. Dann weiß der Gegner nie, wie wir spielen", sagte Lampard.

Die Kritik, er und Gerrard würden wegen ihrer ähnlichen Aufgaben im Klub nicht zusammenpassen, wies der Chelsea-Spieler zurück: "Der Vorwurf, wir hätten wie Fremde gespielt, ist Unsinn. Wir sind zwei intelligente Spieler, die England helfen können, Weltmeister zu werden." Gerrard betonte, dass er sich in der neuen Rolle wohl fühle. "Gegen Ungarn habe ich bewiesen, dass ich diesen Job machen kann, auch wenn ich Rooney nie ersetzen kann", sagte der Liverpool-Kapitän. (APA/dpa)

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    FA-Teamchef Eriksson war selbst mit dem Experiment nicht ganz zufrieden.

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