Spielerflucht bei Juve befürchtet

14. Juli 2006, 23:51
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Cannavaro, Zambrotta, Ibrahimovic, Emerson wollen zu Real - Auch Capello will im Fall eines Zwangsabstiegs Klub verlassen

Rom/Turin - Die Zukunft des skandalerschütterten italienischen Fußball-Spitzenklubs Juventus Turin scheint ungewisser denn je. Die "Alte Dame" befürchtet den Zwangsabstieg in die Serie B und eine Spielerflucht. Ungewiss ist auch, ob Trainer Fabio Capello, dessen Vertrag bis Sommer 2007 läuft, weiterhin in Turin bleiben wird, berichteten italienische Medien am Freitag.

Capello am Absprung zu Real

In einem Gespräch mit dem interimistischen Geschäftsführer von Juventus, Carlo Sant'Albano, machte der 60-jährige Capello klar, dass er den Klub nur dann weiterhin trainieren werde, wenn "Juve" in der Serie A bleibt. Nach Angaben italienischer Medien wartet Capello auf die am 2. Juli geplante Wahl des neuen Präsidenten von Real Madrid. Kandidat ist Ramon Calderon, der bereits bekundet hat, Capello nach Spanien zum "Weißen Ballett" zu lotsen, sollte er zum Klubchef gewählt werden.

Gemeinsam mit Capello wollen nach Angaben der Sport-Tageszeitung "Gazzetta dello Sport" Italiens Teamspieler Fabio Cannavaro und Gianluca Zambrotta ebenfalls zu Real wechseln. Auch Emerson und Zlatan Ibrahimovic ziehe es zu Real. Pavel Nedved dagegen denke im Falle des Zwangsabstiegs ans Karriereende. Die Franzosen David Trezeguet, Patrick Viera und Lilian Thuram seien ebenfalls auf dem Absprung. Fraglich sei lediglich noch, ob auch Team-Goalie Gianluigi Buffon das Weite suche.

Mehrere Skandale

Juventus ist in den Sog mehrerer Skandale geraten. Gegen den Klub wird nicht nur wegen Schiedsrichterabsprachen, sondern auch wegen Bilanzfälschung ermittelt. Am (morgigen) Samstag wird in Rom der Kapitän der italienischen Nationalelf, Cannavaro, vernommen. Der Abwehrspieler soll Fragen über seinen Transfer von Inter Mailand zu Juventus Turin vor zwei Jahren beantworten. Die Ermittler gehen davon aus, dass Juve eine überhöhte Summe für den Spieler gezahlt habe, um Schwarzgelder anzuhäufen. Cannavaros Wohnung in Turin war vor zwei Wochen durchsucht worden.

Spötter fragen in Italien bereits, ob die Staatsanwälte die Team-Kicker während der WM-Spiele auch noch in den Halbzeitpausen verhören werden. Italien macht sich Sorgen um seine Azzurri. "Hört auf zu heulen", sagte dagegen Brasiliens Trainer Carlos Alberto Parreira. Der Skandal werde Italien nicht aufhalten, die Anspannung tue dem Team sogar gut, meinte Parreira.

Genoa-Präsident fühlt sich bestätigt

Die Staatsanwaltschaften und die FIGC-Ermittler setzen ihre Arbeit unterdessen fort. Der Präsident des wegen eines gekauften Spiels in die Serie C verbannten FC Genoa, Enrico Preziosi, bestätigte der Staatsanwaltschaft Neapel, dass es in Italien schon lange nicht mehr mit rechten Dingen zuging. "Ich habe schon vor vier Jahren gesagt, dass hier was faul ist", sagte Preziosi. (APA)

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