Vier Jahre nach Kirch-Pleite: Gläubiger wollen Geld sehen

7. Juni 2006, 13:40
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"Spiegel": Experten rechnen mit Insolvenzquote von insgesamt 10 Prozent

Mehr als vier Jahre nach der Pleite der KirchGruppe sollen die Gläubiger in den kommenden Monaten erstmals Geld sehen. "Eine erste Abschlagzahlung ist in Arbeit und soll noch in diesem Jahr erfolgen", sagte Insolvenzverwalter Michael Jaffe dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Allerdings wird nur ein kleiner Teil der Forderungen beglichen. Experten rechnen dem Bericht zufolge mit einer Insolvenzquote von insgesamt rund zehn Prozent.

Größte deutsche Firmenpleite Nachkriegsgeschichte

Im April 2002 hatte der Zusammenbruch der KirchGruppe die deutsche Medienlandschaft erschüttert. Gemessen am Schuldenstand von 6,5 Milliarden Euro handelte es sich um die größte Firmenpleite der deutschen Nachkriegsgeschichte. Das einstige Imperium des Medienunternehmers Leo Kirch wurde zerschlagen. Neben dem TV-Konzern ProSiebenSat.1, der von einer Investorengruppe um den US-Milliardär Haim Saban übernommen wurde, gehörten unter anderem der Bezahlsender Premiere und die Mehrheit an der Formel 1 zur KirchGruppe.

Dem Bericht zufolge ist davon auszugehen, dass die Insolvenz-Quote bis etwa 2013 ausgezahlt wird. Die für dieses Jahr in Aussicht gestellte Abschlagzahlung belaufe sich voraussichtlich auf drei Prozent. Insgesamt umfasse die Gläubiger-Liste 1900 Eintragungen - von der 21-Euro-Forderung einer ehemaligen Mitarbeiterin bis zu dreistelligen Millionenforderungen einzelner Hollywood-Studios.

Gesamtforderungen von ursprünglich neun Milliarden Euro

Die Gesamtforderungen beliefen sich ursprünglich auf etwa neun Milliarden Euro, darunter auch zahlreiche Schadenersatzansprüche. In den vergangenen Jahren hat Jaffé aber mit einer Reihe von Großgläubigern Einigungen erzielt wie zum Beispiel mit dem Hollywood- Studio Columbia, dessen Forderungen sich ursprünglich auf rund zwei Mrd. Euro beliefen. Mit Warner Brothers und Disney würden Abschlüsse im Sommer erwartet, hieß es in dem Bericht. Damit wäre der Weg frei für eine erste Abschlagzahlung, die voraussichtlich im dritten Quartal erfolge könnte. (APA)

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