BZÖ-Stiftungsrat Seeber: Schlammschlacht sei denkbar schlechtester Weg

14. Juni 2006, 22:53
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Strache für Wolf als ORF-Kontrollor - Oberhauser will nicht Direktor werden

Die "öffentliche Schlammschlacht" um den ORF sei der "denkbar schlechteste Weg" für einen starken öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Mit diesen Worten meldete sich am Freitag Gert Seeber, Leiter des BZÖ-"Freundeskreises" im ORF-Stiftungsrat, zu Wort. Seeber appellierte "an alle, die einen erfolgreichen ORF im Auge haben, sich zurückzunehmen". Darüber hinaus ließ der Stiftungsrat durchklingen, dass er mit der Einberufung einer Stiftungsrats-Sondersitzung für 13. Juni nicht mehr so glücklich sei.

Die öffentliche Diskussion gleite derart ab, dass damit das Gegenteil einer Stärkung und Zukunftssicherung des ORF erreicht werde. "In Kenntnis der derzeitigen Entwicklung ziehe ich die Richtigkeit der Unterstützung des Antrags auf Einberufung einer Sondersitzung in Zweifel", so Seeber. In der Kritik an ORF-Gernaldirektorin Monika Lindner und ORF-Chefredakteur Werner Mück sieht der Gremialvertreter "ein gewisses Maß an Absurdität". An die ORF-Führung verteilte Seeber Lob. "Bei einer Fernsehweltmeisterschaft würde sich der ORF unzweifelhaft für 32 teilnehmende Mannschaften qualifizieren."

ÖVP und ÖVP-nahe Stiftungsräte signalisierten für die Wahl Lindners Zustimmung

Gingen das BZÖ und ihr nahe stehende Stiftungsräte zuletzt auf Distanz zu Lindner, so gibt es nun offenbar wieder ein Näherrücken an die ORF-Chefin, die sich bei der Wahl am 17. August wieder um den Posten des Generaldirektors bewerben will. ÖVP und ÖVP-nahe Stiftungsräte signalisierten für die Wahl Lindners bereits Zustimmung. Sie kommen im 35-köpfigen Stiftungsrat auf 15 Vertreter. Für die absolute Mehrheit von 18 Stimmen braucht es die Unterstützung anderer Freundeskreise. Der "Freundeskreis" des BZÖ könnte dazu immerhin Stimmen beisteuern, was die Wahl Lindners ermöglichen würde.

Van der Bellen ortet möglichen "Verstoß gegen die Bestimmungen des Redaktionsstatuts"

Von Seiten der Oppositionsparteien gab es am Freitag unterdessen neuerlich Kritik am ORF-Chefredakteur. Mück habe in der Causa Eurofighter eine "einseitig regierungsfreundliche, subjektive und unsachliche Berichterstattung" forciert, so SPÖ-Rechnungshofsprecher Günther Kräuter unter Verweis auf einen "profil"-Bericht, in dem "ZiB"-Redakteure zitiert werden, die über entsprechende Einflussnahme durch Mück berichten. Der Grüne Bundessprecher Alexander Van der Bellen sprach von einem möglichen "Verstoß gegen die Bestimmungen des Redaktionsstatuts. Damit wäre die Objektivität und Unabhängigkeit der ORF-Berichterstattung in höchstem Maß bedroht."

Strache: "ORF braucht Kontrolle"

Mit einem ungewöhnlichen Vorschlag ließ FPÖ-Bundessprecher Heinz Christian Strache aufhorchen. Ein neu zu gründender Verein zur Wahrung der Interessen von Hörern und Sehern" solle die Objektivität des ORF wahren. Als Vereinsobmann schlug Strache "ZiB"-Moderator Armin Wolf vor, der die ORF-Debatte mit seiner Rede zum Robert-Hochner-Preis so richtig in Gang gesetzt hatte. "Der ORF braucht Kontrolle."

ORF-Sportchef Elmar Oberhauser wies unterdessen am Rande einer Pressekonferenz Spekulationen von sich, wonach er bei der Direktorenwahl im September als einer der Direktoren in die ORF-Geschäftsführung einziehen wolle. "Blödsinn", so Oberhausers Kommentar. "Was soll ich ins Direktorium? Da ist ja alles voll besetzt." (APA)

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