Grüne Atomgegner mit Regierungschancen

3. Juni 2006, 21:15
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Partei mit 10 Prozent in den Umfragen - "Wollen keine neuen Reaktoren bauen"

Prag - Die tschechischen Grünen (SZ) haben Chancen, an der künftigen Regierung in Prag teilzunehmen. Umfragen sagen der Partei bis zu zehn Prozent der Stimmen voraus. Sie könnten damit bei der Bildung einer Koalition das "Zünglein an der Waage" spielen. Sollte das gelingen, wären nicht nur erstmals Grüne in einem Kabinett eines ehemaligen Ostblock-Staats vertreten. Sondern in Tschechien auch Atomkraftgegner.

"Wir wollen keine neuen Atomreaktoren bauen", erklärte die Parteisprecherin Eva Roleckova die Haltung der Partei gegenüber der APA. Auch eine Diskussion über den langfristigen Atomausstieg wird angestrebt. Eine Stilllegung der AKW Temelin und Dukovany stünde derzeit allerdings nicht zur Debatte. Dies "ist keine Frage des nächsten Tages", so die Sprecherin.

Die Grünen werden vom ehemaligen Präsidenten Vaclav Havel unterstützt. "Ich war schon in Zeiten grün, wo die meisten heutigen Grünen noch nicht auf der Welt waren", sagte Havel und verwies auf seine "leicht grüne Farbe".

Klaus: "Völlig undefinierbar"

Kritik an den Grünen kommt hingegen von Havels Nachfolger, Staatspräsident Vaclav Klaus. Die Partei sei eine "völlig undefinierte und undefinierbare Gruppierung", sagte er und sprach sich offen für die konservative Bürgerpartei ODS aus, deren Ehrenvorsitzender er ist.

Die Grünen werden als eine sehr heterogene Gruppe betrachtet. Politologen sagen, darin seien von rechtsorientiert bis anarchistisch alles vertreten. Eine Woche vor der Parlamentswahl, die heute, Freitag, beginnt, ist innerhalb Partei eine Linksfraktion entstanden. In einem Manifest der Initiatoren werden die Sozialdemokraten (CSSD) als engste Verbündete der Grünen bezeichnet. Ein Tag später wurden die linken Grünen von den Wahllisten gestrichen. (APA)

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