Kritik an mangelnder Zahlungsmoral

20. Juni 2006, 15:54
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Die Arbeiterkammer registriert einen Anstieg der Beschwerden, denn entgegen vieler Werbeankündigungen zahlen Versicherungen nicht immer

Linz - Kritik an der Zahlungsmoral von Versicherungsunternehmen üben die Konsumentenschützer der Arbeiterkammer (AK) Oberösterreich. Der Werbeslogan "Wir zahlen gerne" stimme nicht immer, betonten AK-Präsident Johann Kalliauer und der Leiter der Konsumenteninformation, Georg Rathwallner, in einer Pressekonferenz am Freitag in Linz. 2005 hätten sich mehr als 4.500 Hilfesuchende mit Beschwerden oder Anfragen bei der AK Oberösterreich gemeldet, Ansprüche von rund 250.000 Euro seien für Versicherungsnehmer durchgesetzt worden.

Einigung schwindet mit Distanz

Bei der oberösterreichischen AK hätten sich die Kontakte zum Thema Versicherung in den vergangenen zwei, drei Jahren verdoppelt, berichtete Kalliauer. "Die Konsumenten lassen sich nicht mehr alles gefallen", sagte Rathwallner. Im eigenen Bundesland erreiche man häufiger vernünftige Lösungen mit den betroffenen Unternehmen. Je größer die Distanz sei, desto schwerer sei eine Einigung. Zu Gerichtsverfahren komme es nur in Musterfällen oder bei Versicherungen, bei denen sich Ablehnungen häufen, so Rathwallner. Die Beschwerden, die die Arbeiterkammer erreichen, seien nur die "Spitze des Eisbergs": "Manche leiden still."

In der privaten Unfallversicherung werde die Leistung häufig mit der Begründung abgelehnt, dass die eingetretene Invalidität auf eine bereits bestehende anlagebedingte Krankheit zurückzuführen sei, so Kalliauer. In begründeten Fällen könne sich die Einholung eines Gegengutachtens auszahlen: Einem Unfallopfer mussten auf Grund von Verbrennungen ein Unterschenkel abgenommen werden. Die Versicherung habe argumentiert, dass die Amputation auf eine Zuckererkrankung zurückzuführen sei, und lehnte jegliche Leistung ab. Dank der AK Oberösterreich seien schließlich doch wie anfangs vereinbart mehr als 85.000 Euro ausbezahlt worden, berichtete Kalliauer.

Vorsicht bei mündlichen Zusagen

Bei Rechtsschutzversicherungen sei die Verpackung oft nicht identisch mit dem Inhalt, warnte der Präsident. Mündliche Zusagen müssten unbedingt schriftlich im Vertrag bestätigt werden Häufiger Ablehnungsgrund bei Reisestornoversicherungen sei, dass Kunden den Urlaub nicht unmittelbar nach Auftreten einer schweren Erkrankung storniert, sondern zunächst abgewartet hätten, ob eine Besserung eintrete, so Kalliauer. Der Abschluss von einer Reisegepäckversicherung sei vielfach nicht erforderlich, betonte Rathwallner. Das Gepäck sei oftmals bei Kreditkarten, in manchen Fällen auch bei der Haushaltsversicherung mitversichert.

Kalliauer und Rathwallner übten Kritik an einseitigen Kündigungsklauseln von Verträgen zum Nachteil der Kunden. Zudem forderten sie, dass Vertragsbedingungen verständlicher gestaltet werden. Man wolle die Branche aber nicht pauschal verurteilen, sondern im Sinne der Konsumenten Klarheit schaffen, betonte der AK-Präsident. (APA)

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