Die Hälfte Österreichs ist potenzielles Bärenland

2. Juni 2006, 12:29
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24 Prozent Kernlebensraum und 29 Prozent erweiterter Lebensraum - weiterer Bär in Pyrenäen ausgesetzt - Wolfabschuss erlaubt

Wien/Paris - Mehr als die Hälfte Österreichs sind laut einer Studie der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien potenzielles Bärenland. 24 Prozent kommen laut Roland Grillmayer vom Boku-Institut für Vermessung, Fernerkundung und Landinformation als so genannter Kernlebensraum in Frage, weitgehend ungestörte Waldgebiete, 29 Prozent der Landesfläche immer noch als erweiterter Lebensraum für Braunbären.

Bärenland besteht in erster Linie aus möglichst zusammenhängenden Waldgebieten. Diese sollen nicht durch Straßen oder gar Autobahnen fragmentiert sein, da diese die Wanderungen der Bären beeinträchtigen, erklärte Grillmayer gegenüber der APA. Der bevorzugte Lebensraum des in der Regel menschenscheuen Meister Petz weist zudem auch noch einen Respektsabstand von menschlichen Siedlungen auf.

Wien

Bei den Berechnungen zeigte sich, dass selbst 3,5 Prozent der Fläche der Bundeshauptstadt als erweiterter Lebensraum in Frage kommen. Diese Gebiete liegen hauptsächlich im Westen Wiens, im Bereich des Lainzer Tiergartens, aber auch in den Augebieten im Südosten wären einige Flecken für Bären geeignet. "Das bedeutet nun nicht, dass dort in absehbarer Zeit Bären auftauchen werden, da geeignete Korridore für Einwanderungen etwa aus dem Ötscherland fehlen", betonte Grillmayer.

Den höchsten Anteil an Kernlebensraum für Bären hat mit 36,1 Prozent der Landesfläche die Steiermark, gefolgt von Kärnten mit 29,3 und Salzburg mti 26,2 Prozent. Die geringsten Chancen auf Bären haben Oberösterreich mit einer Kernfläche von 17,4 Prozent, Niederösterreich mit 16,8 Prozent und Wien ohne Kernlebensraum für Braunbären.

Bäraussetzung in den Pyrenäen

Indessen ist ungeachtet der Gewaltandrohungen radikaler Bärengegner am Freitag in den französischen Pyrenäen der vierte Bär aus Slowenien binnen fünf Wochen ausgesetzt worden. Die Schauspieler Gerard Depardieu und Fanny Ardant übernahmen die Patenschaft für das vier Jahre alte Männchen namens Balou.

Mitarbeiter des Umweltministeriums ließen den 88 Kilogramm schweren Braunbären gegen 1.00 Uhr bei Arbas frei. Sie überlisteten dabei die Bärengegner, die mit Straßensperren etwa 50 Kilometer davon entfernt die Aktion verhindern wollten. "Wir wollten diesem Tier Zeit und Ruhe geben", erklärte ein Sprecher des Umweltministeriums.

Noch am Donnerstag hatten Vertreter der Bauern und Schafzüchter gedroht, ein geplantes Fest der Bärenfreunde gewaltsam zu stören, falls weitere Bären in der südfranzösischen Bergwelt ausgesetzt würden. Vor Balou wurden seit Ende April bereits drei Weibchen in die Freiheit entlassen. Ein weiteres soll folgen, um das Überleben der zuvor auf 14 bis 18 Tiere geschrumpften Population in den französischen Pyrenäen zu sichern. Die Aktion hat in den Pyrenäen Anhänger vor allem in der Tourismusbranche, aber auch bei ökologisch orientierten Schafzüchtern.

Wolfabschuss

In einem Zugeständnis an die Schafzüchter, die das Rückgrat der Raubtiergegner stellen, gestand die französische Regierung am Donnerstagabend den Abschuss von sechs Wölfen in Ost- und Südostfrankreich zu. Dies löste heftige Proteste der Tierschützer aus. Die Regierung argumentiert, der französische Wolfsbestand von etwa 100 Tieren sei durch den Abschuss nicht gefährdet. Wölfe gehörten zwar wie Bären zu den geschützten Arten, doch müssten die Herden vor größeren Schäden geschützt werden. Wölfe sind erst seit eineinhalb Jahrzehnten wieder in Frankreich heimisch. Sie wurden nicht ausgewildert, sondern wanderten aus Italien ein. (APA/dpa)

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