Euronext will Borsa Italiana schlucken

6. Juni 2006, 19:14
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Euronext-Chef Theodore: "Wollen Mailänder Börse aufnehmen" - Fusionsgespräche in Paris in die Wege geleitet

Mailand/Paris - Die Vierländerbörse Euronext und die Betreiberin der Mailänder Börse, Borsa Italiana, werden in den kommenden Tagen Verhandlungen über eine mögliche Fusion in die Wege leiten. Dies teilte Euronext-Chef Jean-Francois Theodore nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur ANSA mit. "Wir sind froh, die Mailänder Börse aufzunehmen, die für uns komplementär ist. Die "Borsa Italiana" mag unser offenes und föderatives Modell", sagte Theodore, der am Freitag in Paris und sein italienisches Pendant Massimo Capuano zu Beratungen getroffen hat.

Die Ankündigung kam nur wenige Stunden, nachdem die Betreiberin der Handelsplätze Paris, Amsterdam, Brüssel und Lissabon ihre Fusion mit der New Yorker Wall Street (NYSE) angekündigt hatte. Die Italiener hatten bereits zuvor Interesse an einem Zusammengehen mit Euronext signalisiert.

Capuano hat nach Angaben der Mailänder Wirtschaftszeitung "Sole 24 Ore" (Freitag-Ausgabe) bereits die Berater für die Verhandlungen ernannt. Es handelt sich um die Mailänder Investmentbank Mediobanca und Rothschild für die finanziellen Angelegenheiten. Der industrielle Teil wird McKinsey überlassen.

Druck wächst

Der Druck auf die europäischen Börsen, sich zusammenzuschließen, ist gewachsen, nachdem die US-Technologiebörse Nasdaq mit einem 24-prozentigen Aktienpaket zum Hauptaktionär der Londoner Börse (LSE) aufgerückt ist. "Internationaler zu werden, ist eines unserer strategischen Ziele", sagt Capuano. Wegen der Fusion mit Euronext könnte die Mailänder Börse auf den IPO verzichten, der ursprünglich im Juli geplant war.

Die Allianzpläne zwischen der Mailänder Börse und Euronext können auch mit der Zustimmung der Regierung Prodi rechnen. Der neue Wirtschaftsminister Tommaso Padoa Schioppa zählt zu den prestigereichsten Befürwortern einer Allianz mit Euronext, die Mailand seiner Ansicht nach aus einer isolierten Position retten würde. Auch Zentralbankchef Mario Draghi gilt als Befürworter des Zusammenschlusses im Euro-Raum.

Umsatz von 3,7 Milliarden Euro

Die italienische Börse, im vergangenen Jahr mit 282 Titeln auf dem Kurszettel, meldet eine Marktkapitalisierung von 677 Mrd. Euro und einem durchschnittlichen täglichen Handelsvolumen von 190.000 Kontrakten. Mit einem Umsatz von 3,7 Mrd. Euro zählt sie zu den mittelgroßen europäischen Börsen. Zusammen mit Euronext hat die Borsa Italiana den Markt für den Großhandel mit italienischen Staatsanleihen MTS übernommen. "Die Erfahrungen sind sehr gut, mit einem optimalen Geist der Zusammenarbeit", sagte der italienische Börsenchef. (APA)

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