Irak: USA sollen Haditha-Ermittlungsakten herausgeben

8. Juni 2006, 13:50
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Maliki wirft den Amerikanern tägliche Gewalt gegen Zivilisten vor: "Sie töten sie nur auf Verdacht hin" - Weißes Haus: Falsch zitiert

Washington/Bagdad - Iraks Ministerpräsident Nuri al- Maliki hat am Freitag angekündigt, von den USA die Ermittlungsakten zum vermuteten Massaker von US-Soldaten an Zivilisten in Haditha anzufordern. Militärermittlern zufolge sollen US-Marine-Infanteristen im vergangenen November in dem westirakischen Ort 24 Zivilisten offenbar willkürlich erschossen und dies später vertuscht haben. Auslöser war demnach ein Bombenanschlag in nächster Nähe, bei dem einer ihrer Kameraden getötet worden war.

Der Vorfall weckte Erinnerungen an das Massaker von US-Soldaten im vietnamesischen My Lai im Jahr 1968. Der US-Botschafter im Irak, Zalmay Khalizad, erklärte, es sei bislang noch nicht erörtert worden, ob die Haditha-Akten auch der irakischen Regierung zugänglich gemacht würden. Später am Freitag werde er jedoch noch mit dem US-Oberkommandierenden im Irak, George Casey, über die Vorfälle in Haditha sprechen.

Bush: "Umfassende Aufklärung und Bestrafung der Täter

Maliki, der erst seit dem vergangenen Monat im Amt ist, hat die Tötungen in Haditha als "schreckliches Verbrechen" verurteilt. US-Präsident George W. Bush kündigte eine umfassende Aufklärung des Vorfalles an. Sollte sich der Verdacht eines Massakers bestätigen, würden die Schuldigen bestraft, sagte Bush am Donnerstag. Die Vorermittlungen in der Angelegenheit hatten im Februar begonnen, nachdem ein Artikel der Zeitschrift "Time" Zweifel an der offiziellen Darstellung der Tötungen angemeldet hatte. Dem Militär zufolge waren auch Iraker bei dem Bombenanschlag in Haditha getötet worden.

Nuri al- Maliki: "Sie töten auf Verdacht"

Der irakische Ministerpräsident Nuri al- Maliki hat den US-Soldaten im Irak vorgeworfen, fast schon gewohnheitsmäßig Zivilisten anzugreifen. Gewalt gegen Zivilisten sei ein "alltägliches Phänomen" geworden, zitierte die "New York Times" am Freitag den Ministerpräsidenten. "Sie zerquetschen sie mit ihren Fahrzeugen und töten sie nur auf Verdacht hin", sagte er. "Dies ist vollkommen inakzeptabel."

"New York Times" räumt Übersetzungsfehler ein

Die "New York Times" hat bei der scharfen Kritik des irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki einen Übersetzungsfehler zugegeben. Danach habe Al-Maliki nicht gesagt, dass die Gewalt im Irak zu einem "täglichen Phänomen" geworden sei, sondern dass Gewalt "regelmäßig geschieht", schreibt das Blatt am Samstag.

Zugleich bleiben die Autoren nach einer Überprüfung der Übersetzung dabei, dass die Kritik des irakischen Ministerpräsidenten an anderer Stelle richtig wiedergegeben worden sei. Danach sagte Al- Maliki: "Die Truppen in der von den USA geführten Koalition respektieren nicht die irakische Bevölkerung. Sie zerquetschen sie mit ihren Fahrzeugen und töten sie nur auf Verdacht hin. Dies ist vollkommen inakzeptabel."

Der Sprecher des Weißen Hauses, Tony Snow, hatte zuvor gesagt, dass Al-Maliki falsch zitiert worden sei. Der Ministerpräsident habe dies in einem Gespräch mit US-Botschafter Zalmay Khalilzad zum Ausdruck gebracht. "Es ist alles sehr verworren", sagte Snow. Die Äußerungen Al-Malikis wiesen außerdem nicht auf die US-Truppen hin, sondern auf Truppen in der von den USA geführten Militärkoalition, zu der auch irakische Einheiten gehörten. (Schluss) hs

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