Gerichtsgeschichte: Mord in Zehnuhrpause

5. Juni 2006, 19:14
21 Postings

Berufungsinstanz bestätigte Ersturteil: Es bleibt bei sieben Jahren Haft für Mord an Mitschüler

Wien - Da ist Niko. Er hat in der U-Haft abgenommen. Die Handschellen kontrastieren mit seinem Gesicht. Er schaut kindlicher aus als 16. Mitte September 2005 hat er in der Zehnuhrpause einen Mitschüler erstochen. Seine Mutter presst jetzt, bei der Berufungsverhandlung, ein paar Worte heraus. Sie sagt: "Er wollte das nicht machen."

Da war Kevin. Er war 14. Er hatte Niko gerempelt. Im Klassenzimmer wurde herumgestänkert. Niko zückte sein Fixiermesser und stach zweimal zu. Acht Zentimeter Klinge drangen in Kevins Körper ein, beschädigten Herz, Lunge und Hauptschlagader. Seine Mutter darf jetzt, im Oberlandesgericht, ein paar Worte an den Täter richten. Sie sagt: "Wahrscheinlich wollte er es nicht. Aber mein Sohn liegt im Grab. Er steht nicht mehr auf. Dafür kann es keine Entschuldigung geben."

Sieben Jahre Haft

Ende Jänner ist Niko, Schüler des Ersten Polytechnischen Lehrgangs in Wien-Währing, wegen Mordes zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Damit blieb das Geschworenengericht drei Jahre unter der Höchststrafe für Jugendliche. "Seine latente Gewaltbereitschaft ist aus nichtigem Anlass zum Durchbruch gekommen", kommentierte der Richter den Wahrspruch "Sieben Jahre, Wahnsinn", schrie damals ein Freund des Täters im Heulkrampf: "Er kann ja nicht einmal bis sieben zählen." Als strafmildernd wurden die "ungünstigen Familienverhältnisse" und eine "gestörte Persönlichkeitsentwicklung infolge des väterlichen Erziehungsstils" gewertet. - "Kinder sind doch nur unsere Spiegelbilder", bemerkte damals die Mutter des getöteten Buben.

Verteidiger Peter Philipp hat das Mordurteil akzeptiert, aber gegen die Höhe der Strafe berufen. Er ersucht den Senat nun um eine wenigstens geringfügige Reduktion. "Der Wunsch, den wir hier haben, ist wirklich kein gewaltiger", sagt er. - Aber er wird nicht erfüllt. Die Berufungsinstanz bestätigt das Ersturteil, es bleibt bei sieben Jahren Haft. (Daniel Glattauer, DER STANDARD Printausgabe, 03./04./05.06.2006)

Share if you care.