Diplomaten: Iran verlangsamt Anreicherungsaktivitäten

6. Juni 2006, 13:38
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Weg zu möglichem Kompromiss für die Eröffnung von Verhandlungen?

Wien - Der Iran hat nach Angaben von Diplomaten seine Aktivitäten zur Urananreicherung verlangsamt. Dies sei möglicherweise als Versuch zu werten, durch einen Kompromiss einen Weg zu neuen Verhandlungen mit den Europäern oder sogar den USA zu eröffnen, verlautete am Donnerstag aus diplomatischen Kreisen in Wien, wo die Außenminister der fünf Vetomächte und Deutschlands zu Beratungen über das weitere Vorgehen in Sachen Iran zusammengekommen waren.

"Technische Pause"?

Ein mit dem iranischen Atomprogramm gut vertrauter Diplomat erklärte, die Iraner würden derzeit die Anreicherungszentrifugen nicht mehr mit dem Gas Uranhexafluorid (UF6) befüllen. Das könnte als technische Pause interpretiert werden oder als politische Geste. Mit ihren bisherigen Atomaktivitäten hätten die Iraner bereits einen technischen und politischen Erfolg erzielt, sie hätten somit bessere Karten im Verhandlungspoker.

Die USA haben sich zu Direktverhandlungen mit Teheran - gemeinsam mit Deutschland, Frankreich und Großbritannien (EU-Trio) - unter der Bedingung bereit erklärt, dass der Iran seine Urananreicherung aussetzt. Diese Bedingung hat die iranische Führung offiziell zurückgewiesen. Der Westen und insbesondere Israel fürchten, dass der Iran mit der Urananreicherung letztlich den Bau von Atomwaffen anstrebt, auch wenn er stets die friedlichen Ziele seines Atomprogramms unterstreicht.

Teheran hatte im August des Vorjahres Verhandlungen mit dem EU-Trio über sein Atomprogramm abgebrochen und seine nuklearen Aktivitäten wieder aufgenommen, indem es in Isfahan mit der Umwandlung (Konversion) von Uran-Erz in UF6 begann. Im Februar begannen die Iraner mit der Befüllung der Anreicherungszentrifugen in Natanz mit UF6. Im April verkündete der Iran, die Anreicherung von spaltbarem Uran-235 für Forschungszwecke aufgenommen zu haben. Dazu wurde eine "Kaskade" von 164 Zentrifugen hintereinandergeschaltet.

Nach Meinung der zu dem Außenministertreffen nach Wien gereisten Diplomaten könnte ein möglicher Kompromiss mit dem Iran darin bestehen, die im Frühjahr in Gang gesetzten Zentrifugen leer laufen zu lassen. Eine andere Option wäre, die Atomenergiebehörde IAEA (IAEO) zu beauftragen, eine begrenzte Anreicherungsaktivität zu Forschungszwecken im Iran zu überwachen, um jedes Risiko einer Weiterverbreitung von Atomwaffen auszuschließen.

Washington fordert jedoch die völlige Einstellung jeglicher Urananreicherung im Iran. Vor allem wollen die USA verhindern, dass Teheran wie geplant bis Jahresende 3000 Gaszentrifugen fertig stellt. Damit würde der Iran in so gut wie unumkehrbarer Weise die Fähigkeit zur Urananreicherung erhalten, meinte ein US-Diplomat. Informierten Kreisen zufolge strebt der Iran den Bau einer Anlage mit 50.000 Zentrifugen an. Damit könnte man laut Experten das Material für zehn Atombomben pro Jahr produzieren.

Derzeit ist der Iran höchstens in der Lage, einige Dutzend Gramm angereicherten Urans-235 produzieren - mit einem Anreicherungsgrad zwischen drei und fünf Prozent, wie es für den AKW Betrieb ausreicht. Für die Herstellung einer Atombombe sind jedoch 15 bis 25 Kilogramm hoch angereicherten Urans - über 90 Prozent - nötig. Das für die Nutzung der Kernenergie benötigte Uran-235 kommt in Natururan (Uran-238) nur zu 0,7 Prozent vor.(APA)

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