92 Prozent der Frauen leiden unter Kopfschmerzen

2. Juni 2006, 11:41
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Bei mehr als einem Drittel der PatientInnen werden Migräne und Co. nicht korrekt diagnostiziert - Unnötiges Leiden folgt

Lausanne - In Lausanne ist am Mittwoch der Kongress der European Neurological Society ENS zu Ende gegangen. Auf der Jahrestagung der Europäischen Neurologengesellschaft präsentierten die ForscherInnen neue Daten über die Verbreitung von Kopfschmerzen. Festgestellt wurde, dass Migräne-PatientInnen oft unnötig leiden müssen, weil ihre Erkrankung nicht korrekt diagnostiziert wird. Eine norwegische ForscherInnengruppe fand heraus, dass Frauen mit 92 Prozent deutlich öfter an gelegentlichen Kopfschmerz leiden als Männer. "Bei Migränekranken besteht ein Verhältnis von eins zu fünf bei Männern und Frauen. Von acht Millionen Betroffenen in Deutschland sind allein sechs Millionen Frauen", erklärt Peter Kropp, Generalsekretär der Deutschen Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft DMKG.

Unzureichende Versorgung und unbefriedigende Diagnoserate

Sowohl bei Männern als auch bei Frauen steigt die Häufigkeit von Spannungskopfschmerzen vom Jugendalter bis zum 39. Lebensjahr massiv an. Bei Personen über 40 liegt möglicherweise ein sekundärer Schmerz vor, der tieferen Ursachen zu Grunde liegt, so Kropp. Die WissenschaftlerInnen fordern daher, dass die Forschung und das Management von Spannungskopfschmerzen viel mehr Aufmerksamkeit erhält. Zudem besteht bei Migräne eine unzureichende Versorgung der PatientInnen und unbefriedigende Diagnoserate. Bei 37 Prozent der Betroffenen wurde die Krankheit nicht erkannt. Das Problem sei, dass es keine standardisierten wissenschaftlichen Diagnoseverfahren gibt, so Kropp. Die ExpertInnen sind der Meinung, dass das Bewusstsein bei PatientInnen und auch bei den Behandelnden verbessert werden müsse, denn nur dann können auch alle Betroffenen von Therapien profitieren.

Komplexe Funktionsstörung des Gehirns

Spannungskopfschmerz und Migräne müssen ganz klar voneinander abgegrenzt werden. Beim Spannungskopfschmerz ist das Schmerzzentrum im Gehirn gestört, dabei wird die Schmerzschwelle abgesenkt. Es ist ein beidseitiger leichter bis mittelschwerer Schmerz, der langsam im Laufe des Tages einsetzt. Durch körperliche Aktivität kann der Schmerz gesenkt werden. Diagnostiziert werden kann Spannungskopfschmerz durch eine ausführliche Anamnese und einen neurologischen Befund. Dagegen handelt es sich bei Migräne um eine komplexe Funktionsstörung des Gehirns. Auslösefaktoren können ein geänderter Schlaf-Wach-Rhythmus, ausgelassene Mahlzeiten, bestimmte Medikamente oder Nahrungsmitel wie beispielsweise Schokolade, Kase und Rotwein sowie Stress sein. "Ein wesentlicher Unterschied zwischen beiden ist außerdem, dass körperliche Aktivität Migräne verstärkt, aber den Spannungskopfschmerz nicht", erklärt Kropp abschließend. (pte)

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    Von acht Millionen von Kopfschmerzen Betroffenen in Deutschland sind allein sechs Millionen Frauen.
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