Legale Tricks: Doppeltes Spiel an Glücksautomaten

5. Juni 2006, 17:58
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Der STANDARD ging in einen St. Pöltner Automatensalon mit auf Lokalaugenschein und entdeckte eine Reihe Tricks

Seit Automatenspielen in Niederösterreich legal ist, ist auch von horrenden Einsätzen und Verlusten die Rede. Der STANDARD ging mit auf Lokalaugenschein in einen St. Pöltner Automatensalon und entdeckte eine Reihe legaler Tricks.

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St. Pölten - Automat Nummer 12 im Admiral-Sportwettenlokal auf dem St. Pöltner Bahnhofsplatz ist eine Frau - zumindest von der Stimme her, die den hoffnungsfrohen Gambler nach Bezahlen des Einsatzes an der Kassa, dem Eintippen des Pin-Codes und der Wahl eines von 15 Glücksspielen am Gerät begrüßt: "Willkommen bei Hot Target", haucht die Wegweiserin ins digitale Zockervergnügen.

"20 Euro", flimmert es grellgrün vom Guthabendisplay. Die Jollyfiguren und bunten Fruchtsymbole warten aufgereiht auf zufallsbestimmte Durchmischung per Tastendruck: Ein Druck zu 50 Cent, ganz so, wie es beim kleinen Glücksspiel erlaubt ist - doch nur sieben Minuten später steht das Guthaben des Videonetworkterminals auf null.

Spielen oder essen

Das ganze Geld (immerhin der Gegenwert eines ausführlichen Mitagessens in der Gegend) ist futsch wie nichts, weil die Kartenmischdurchgänge im Sekundentakt erfolgen und bei diesem Tempo ein Aufhören nur schwer möglich schien. Außerdem - so erläutert der Testspieler und NÖ-Grünen-Landesgeschäftsführer Thomas Huber - animiere eine clevere Verdoppelung der Spielebenen zur Beschleunigung des Verlustrisikos.

Würfel als Zockerfalle

Diesem Zweck dient ein Würfelpaar auf dem Display. Die (gratis einstellbare) Augenzahl des ersten Würfels vervielfacht die Höhe des in Aussicht gestellten Gewinns - doch um dieses Spiel auch wirklich spielen zu können, muss erst Würfel Nummer zwei die gleiche Augenzahl aufweisen. Und dieses "Würfelrollen"kostet: pro Tastendruck nur 50 Cent - aber dieses Geld ist verloren, wenn die Jollys und Kirschen nicht richtig fallen.

"An einem Vormittag zwischen sieben und ein Uhr kann man hier locker 1000 Euro verzocken", rechnet Huber seinen eigenen raschen Testspiel-Verlust auf: Für ihn ist dies "eine klare Übertretung des Glücksspielmonopols". Auch auf Betreuung von Risikospielern durch das St. Pöltner Admiral-Personal möchte er lieber nicht wetten: "Für die Einsätze gibts bei uns nach oben hin kein Limit. Das meiste waren bisher 500 Euro auf einmal, aber wir sind ja erst seit Kurzem hier", schildert die Dame an der Kasse.

An den Automaten im hinteren Bereich des Lokals arbeitet sich derweil eine Hand voll Männer ab. Einer - um die 30 und mit strähnigem Haar - spielt seit mehr als einer Stunde. Doch seine Verbissenheit wird von der komfortablen Atmosphäre - Klubsessel, Spielmotiv-Teppich, große Fernsehschirme für Sportübertragungen - quasi aufgesogen. Diese Stimmung und die legalen Automaten-"Tricks"sollten - so der Grünen-Abgeordnete Huber - "alle ni ederösterreichischen VP- und SP-Politiker"zum Lokalaugenschein animieren. Schwer wäre es nicht: Das Admiral-Lokal befindet sich nur wenige Gehminuten vom St. Pöltner Landtag entfernt. (Irene Brickner, DER STANDARD - Printausgabe, 2. Juni 2006)

  • Videonetworkterminal in Aktion: Oben die aufgelisteten Gewinnchancen, auf dem Display das Spiel der Spiele, weiter unten die Tasten zum Glück. Die Würfel erscheinen bei Bedarf auf dem unteren rechten Bildschirmrand.
    foto: standard/andy urban

    Videonetworkterminal in Aktion: Oben die aufgelisteten Gewinnchancen, auf dem Display das Spiel der Spiele, weiter unten die Tasten zum Glück. Die Würfel erscheinen bei Bedarf auf dem unteren rechten Bildschirmrand.

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