Künftig Handel mit gebrauchten Lebensversicherungen

20. Juni 2006, 15:54
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Chorus will Zweitmarkt für gebrauchte Lebensversicherungspolizzen in Österreich etablieren - Heimische Versicherer sind skeptisch

Wien - Das System, dass gebrauchte Lebensversicherungen von Emissionshäusern - meist für einen höheren Betrag, als die jeweilige Versicherung auszahlen würde - gekauft und in einen Fonds zur weiteren Veranlagung gesteckt werden, ist bisher hauptsächlich aus Amerika und Großbritannien bekannt.

Das deutsche Emissionshaus Chorus will so einen Zweitmarkt für gebrauchte Lebensversicherungspolizzen nach Deutschland nun auch in Österreich etablieren und hat dazu eigens eine Österreich-Tochter gegründet. "Der große Unterschied zu den bekannten Modellen ist, dass bei einem Ankauf durch unser Haus der Todesfallschutz nicht erlischt", erklärt Chorus-Chef Karsten Mieth im Gespräch mit dem STANDARD. Bei der Übertragung einer Lebensversicherungspolizze an Chorus wird der Versicherungsnehmer ausbezahlt, im Todesfall wird die Versicherungssumme abzüglich der bereits ausbezahlten Summe und der angefallenen Kosten an etwaige Begünstigte ausgeschüttet. Im Erlebensfall fließt das Geld in den Fonds. Zusätzlich entfalle bei solch einem Verkauf die Versicherungssteuer, die bei einer vorzeitigen Versicherungskündigung fällig wäre.

Rund die Hälfte vorzeitig gekündigt

"In Deutschland werden rund die Hälfte aller Lebensversicherungen vorzeitig gekündigt, aber nur etwa zehn Prozent der Versicherungsnehmer wissen, dass sie ihre Polizze auch auf dem Zweitmarkt verkaufen können", erklärt Mieht. In Österreich gebe es bereits rund 100 freie Berater, die bei Kundengesprächen nun auch diese Form des Rückkaufs anbieten würden.

Erste Verträge seien bereits an Chorus abgegeben worden, die Zusammenarbeit mit den involvierten heimischen Versicherungen, von denen der Vertrag übernommen wird, "hat gut funktioniert".

Die aus Österreich und Deutschland angekauften Verträge speisen den Fonds "Chorus Life Austria", der im Juli zur Zeichnung aufgelegt werden soll. 600 bis 700 Polizzen sollen im Fonds liegen, die Mindestinvestition beträgt 10.000 Euro.

Viel Skepsis

Elisabeth Stadler, Vorstandschefin der Uniqa, glaubt nicht, dass sich ein Zweitmarkt für gebrauchte Polizzen in Österreich etablieren wird. Solche Anläufe hätte es bereits öfter gegeben, der Markt in Österreich sei jedoch sehr klein. Auch Kurt Ebner, Versicherungsmathematiker bei der Wiener Städtischen glaubt zwar daran, dass es bei Anlegern Potenzial für diese Fonds gibt. Aber "sicher nicht genug Polizzen, um Fonds mit Österreichischen Polizzen zu bestücken". (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.6.2006)

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