Feiertagsnostalgie

31. Juli 2006, 15:42
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Wenn feiertags Filme laufen, die vor zehn oder zwanzig Jahren an denselben Sendeorten anzutreffen waren: Karl- May-, Bud-Spencer- und Sandalen-Filme gehören zum Familienfest

Pfingsten: Familien- und Fernsehfeiertage, die besinnliche Heimstätte von blutsverbundenen Zusammenkünften und meditativen Versenkungen vor altvertrauten Film-Freunden (oder zumindest Bekannten) sind. Tage, die Potenzial haben, an die gute alte Zeit, an Kindheits- und Jugendstimmungen erinnern zu lassen.

Nostalgischer Kitt

Schön, dass der nostalgische Kitt, der da hilft, einiges zusammenzuhalten, auch vom Fernsehen unterstützt wird: Ja, es ist gut, wenn feiertags jene Filme laufen, die vor zehn oder zwanzig Jahren an denselben Sendeorten anzutreffen waren. Diese Kontinuität, die Möglichkeit, dass Pfingsten ein Leben lang mit Karl-May-, Bud-Spencer- und Sandalen-Filmen assoziiert werden kann, ähnlich immergleichen Freuden und Konflikten der familiären Zusammenkünfte, schafft Rückzugsgebiete, setzt Anker zwischen opulentem Mittagessen und abendlicher Schlemmerei, die Filme gehören zum Familienfest.

Esoterische Friedenssprüche

Also auch dieses Jahr im ARD-Nachmittagsprogramm: Auf dem Pferd neben Lex Barker darf Pierre Brices Jugendgesicht, das auf Winnetou hört, seine esoterischen Friedenssprüche über den weißen Mann, der Verderben über seine roten Brüder bringt, loslassen. Bud-Spencer- und Terence-Hill-Sender Kabel 1 enttäuscht ebenfalls nicht: "Zwei sind nicht zu bremsen" am Montag. Die Sandalenfans vom ORF übertreiben mit Geheimtipp "Ben Hur" (Samstag, ORF 2), gleichen aber mit "Der Untergang des Römischen Reiches" am Sonntag aus. (pum/DER STANDARD, Printausgabe, 2.6.2006)

  • Ben Hur, Samstag, 9:30 Uhr, ORF 2.
    foto: orf

    Ben Hur, Samstag, 9:30 Uhr, ORF 2.

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