Verkauf unter US-Beobachtung

5. Juni 2006, 17:04
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Der 675-Millionen-Dollar- Vergleich mit den USA ist fertig - US-Partner werden beim Bawag-Verkauf durch den ÖGB mitreden: US-Investmentbanker "beobachten" Deal

Der heiß ersehnte und bitter nötige Vergleich zwischen der krisengeschüttelten Gewerkschaftsbank Bawag P.S.K. und den USA ist fertig. Am Donnerstag, 16.00 Uhr, haben auf österreichischer Seite dem Vernehmen nach Bawag-Chef Ewald Nowotny und sein Vize, Stephan Koren, das komplexe Vertragswerk, in dem es um die Summe von rund 675 Mio. Dollar oder 525 Mio. Euro geht, unterzeichnet.

Bekannt gegeben werden soll der Deal aber erst in den kommenden Tagen – und zwar vom New Yorker Staatsanwalt, der die Vereinbarung auf US-Seite abgesegnen wird. Die Amerikaner werden den Verkauf der Bawag mittels eigenen Investmentbankern "beobachten". Am Mittwoch hatte der Wiener Bankvorstand seinen Aufsichtsrat in einer informellen Sitzung darüber informiert, dass es nun endlich so weit sei mit dem Vergleich. Anwesend waren auch die Wirtschaftsprüfer von KPMG und Deloitte&Touche. Sie werden, sobald der Vertrag gilt, die Bilanz 2005 testieren

Unter Hochdruck

Der Vergleich mit den Refco-Gläubigern (die Bawag war an dem inzwischen pleitegegangenen US-Brokerhaus mit zehn Prozent beteiligt, der ÖGB via Desana Privatstiftung mit rund 27 Prozent) und den potenziellen Sammelklägern ist für das wirtschaftliche Überleben der Bank unabdingbar. Ohne den Vergleich und die damit erkaufte Absicherung an der rechtlichen Front in den USA gibt es keine Bilanz. Und ohne Bilanz gibt es keine Bank.

Der Druck war zuletzt von allen Seiten gekommen. Die wirtschaftliche Bredouille der Bawag hatte in den vergangenen Wochen massive negative Folgen. Das Rating hat sich verschlechtert, noch am Donnerstag hatte die Rating Agentur Moody’s die Finanzstärke der durch die Causa Refco und die Karibik-Verluste geschüttelten Bank auf die zweitschlechteste Stufe "E" gesenkt. Das heißt übersetzt so viel wie "dringender Bedarf an Geldzufuhr von außen". Die Kosten für Zwischenfinanzierungen, die laut Bawag-Bankern derzeit nur über "komplizierteste Konstruktionen" laufen, hätten sich "horrend erhöht". In der Bank selbst wurde zuletzt von einer Verdoppelung gesprochen. Je massiver der wirtschaftliche Druck wurde, desto enger zogen die Verhandler in den USA ihre Daumenschrauben für die Wiener an. Ursprünglich wollten Nowotny und Bawag-Eigentümer ÖGB den Vergleich ja schon am Freitag vor zwei Wochen unter Dach und Fach haben – allein man hatte die Rechnung ohne das Visavis gemacht. Es spieße sich "nur an Details in Amerika", hatte ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer Anfang der Woche im (gar nicht zum Gewerkschaftermilieu passenden) Wiener "Zigarrenclub" erklärt – eine recht euphemistische Darstellung.

Unter Protest

Denn tatsächlich haben die US-Verhandler darauf bestanden, beim Verkauf der Bawag durch den ÖGB mitzureden: Sie wollten ein eigenes Investmenthaus beauftragen. Eine Idee, die weder dem ÖGB (sollte er mehr als 1,8 Mrd. Euro für die Bawag bekommen, muss er vom Mehrerlös 20 Prozent in den USA abliefern) noch seinem Verkaufsberater Morgan Stanley schmeckte. In letzter Minute konnte dann doch noch ein Kompromiss gefunden werden: Ein von den Amerikanern nominiertes Investmenthaus wird den Verkaufsprozess "beobachten." (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.6.2006)

  • Die Bawag hat nach ebenso schwierigen wie zähen Gesprächen ihren US-Vergleich ausverhandelt. Was man damit hofft, erkauft zu haben: Freiheit von existenzbedrohenden Klagen aus den USA.
    collage: standard/beigelbeck

    Die Bawag hat nach ebenso schwierigen wie zähen Gesprächen ihren US-Vergleich ausverhandelt. Was man damit hofft, erkauft zu haben: Freiheit von existenzbedrohenden Klagen aus den USA.

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