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Bei Konzerten der härteren Gangart muss man zu fortgeschrittener Stunde immer damit rechnen, dass man über weggetretene Jungmänner stolpert, die den Auftritt der Hauptgruppe tatsächlich nur mehr als bösen Traum erleben werden. Luzide Wachphase oder lieber doch noch ein Pappbecherbier: Vernunft und Neigung, das uralte Spiel zwischen den kosmischen Kräften Stinkfad und Strohdumm. Wer will es missen?!
In der Budapester Sportarena haben sich am Mittwoch gegen elf Uhr abends allerdings viele Besucher des angesetzten Konzerts der Guns N'Roses hingelegt oder sind auf den Rängen weggenickt, weil sie ganz ohne Alkohol von des Tages Mühen müde sind. Vor zwei Stunden hat Sex Action, die Budapester Ortsgruppe Deep Purple 1972 e.V., die ungefähr so originell klingt wie ihr Name, ihr schreckliches Tun beendet.
Seither ist nicht viel passiert. Axl Rose aber kann laut Veranstalterdurchsage aufgrund "technischer Probleme" nicht und nicht auf die Bühne kommen. Überraschung! Den Kunstgriff kennen wir noch von früheren Konzerten der Guns N'Roses. Damals, Anfang der 90er-Jahre, als sie‑ mit ihrem versifften, menschenfeindlichen, dekadenten und ziemlich unterhaltsamen Cocktail aus Sex und Drogen und Rock und Roll Weltstars waren, wurde vor Auftritten die Erwartungshaltung im Publikum zwischen Wut und Verzweiflung auch schon derart lange hochgefahren, dass man dann beim Drübermähen mit alten Hadern nicht unbedingt die feine Klinge verwenden musste.
Nachdem aber alle größten Erfolge von AC/DC und Led Zeppelin aus der Tonkonserve abgespielt waren und die Budapester Kirchen sich für das Einläuten der Geisterstunde warmzumachen begannen, erklangen unvermutet dramatisch-dräuende Streicher- und Paukenklänge aus der klassischen Schule der Spätromantik. Das führte bei der Getränkeausschank zu einigermaßen dramatischen Szenen. Schwamm drüber und Pyrotechnik-Bomben auf der Bühne gezündet!
Seine Heuligkeit Axl Rose kläfft forschen Schrittes die Showtreppe herunter "Welcome To The Jungle", eine rasante Hymne auf die Verderbtheit seiner Heimat. In Los Angeles hatte es Axl Rose die letzten 15 Jahre seit dem wohl auch toxisch bedingten Auseinanderfallen der ursprünglichen Guns N'Roses zwischen Heroin- und Botox-Spritzen, viel Gewalt, so genannten Schönheitsoperationen, noch mehr Yellow Press und kolportiertem Größenwahn nicht leicht.
Kreative Funkstille
Damals ist mit dem monumentalen Doppel-Doppelalbumsic "Use Your Illusions I & II" die letzte Arbeit aus eigener Feder entstanden. Mit Ausnahme eines Songs für das Schwarzenegger-Vehikel "End Of Days" aus 1999 herrscht seitdem kreative Funkstille. Und das seit Jahren angekündigte, bis dato weit über zehn Millionen Dollar an Studiokosten verbrannt habende Album "Chinese Democracy" gehört mit der regelmäßigen Ankündigung, es nun doch endlich zu veröffentlichen, zu den "running jokes" der Musikszene.
Der etwas grimmig mit einer ingwerfarbenen Bo-Derek-Frisur bezopfte Axl Rose versteckte neue Songs aus dem heuer ja möglicherweise wirklich erscheinenden Album jedenfalls ohne großes Aufsehen zwischen alten Hits wie "Sweet Child O'Mine", "Live And Let Die", "You Could Be Mine" oder "Knockin' On Heaven's Door". Am Ende wimmerte das epische "November Rain", als Zugabe krachte "Paradise City".
Mit Ausnahme des mit eisigem Schweigen im Publikum aufgenommenen, ziemlich plump "Gimme Shelter" von den Stones Richtung elektronische Chill-out-Lounge deutenden, weinerlichen "Madagascar" fügen sich die in Budapest vorgestellten beiden anderen neuen Songs "The Blues" und "There Was A Time" ohne Probleme in die alten stilistischen Vorgaben.
Nach dem Abgang der beiden zart-charismatischen Originalgitarristen Izzy Stradlin und Slash und dem Wegfall von Bassist Duff McKagan muss Axl Rose heute mit Ausnahme des alten Keyboarders Dizzy Reed junges, zwar dramatisch tätowiertes, aber verhaltensunauffälliges Gemüse beschäftigen – davon allein drei (!!!) um die Wette jaulende Gitarristen.
Die werden auch dringend benötigt. Da Rose bei jeder dritten Nummer für einige Minuten von der Bühne verschwindet, um sich frisch zu machen, müssen sie während 100 Minuten Konzertdauer gut ein Drittel davon an Soli herunternudeln. Darunter finden sich auch David Bowies "Ziggy Stardust" und "Finlandia" von Jean Sibelius. Krank.
Seine Heuligkeit Axl Rose ist nicht gut bei Stimme, wirkt überhaupt zunehmend angegriffen. Aber er meinte ja schon am Anfang dieser einzigartigen, auf jeden Fall auch künstlerischen Verspätung: "Sorry for being late. I was pretty fucked up." Wenn das mal gut geht. Früher war immer alles besser. Vor allem auch der Stoffwechsel. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.6.2006)
Termin
Guns N'Roses live in Österreich, am Sa., 17. 6., bei Novarock in Nickelsdorf
Link
novarock.at
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leider erlaubt es die norm /die gute sitte dieser zeitung nicht, die worte zu verwenden mit denen ich diesen report kurz und bündig beschreiben könnte: daher abbgeschwächt: der standard sollte sich lieber auf die financials beschränken und den musik-kommentar anderen über lassen, die sich mit Musik auskennen-danke
dass sich der herr schachinger nicht mit musik auskennt, weil er kein alles bedingungslos gut findender guns & roses fan ist - das halte ich für eine gewagte these.
schreiben kann er halt nicht sehr gut - außer kilometerlange schachtelsätze, die man erst beim dritten lesen versteht - wenn überhaupt.
hans `n josef in der Soundmachine, die mädels und ich... yeah
unvergessen die knallengen, kurzen Leggins-Radlerhosen vom Axl (die der Grund waren, für seine coole Stimme)
Schad nur, dass es viele nicht schnallen, wann es besser ist kein Comeback mehr zu starten.
mfg
johnny
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