Israelische Soldaten erschießen ägyptische Polizisten

6. Juni 2006, 06:22
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Untersuchung angeordnet - Vier Verletzte bei erneutem Feuergefecht zwischen rivalisierenden Palästinenser-Gruppen im Gaza-Streifen

Tel Aviv/Kairo - Israelische Soldaten haben bei einem Feuergefecht im Grenzgebiet zu Ägypten am Freitag zwei ägyptische Polizisten erschossen. Ein dritter Mann sei entkommen, sagte eine Armeesprecherin in Tel Aviv. Erste Berichte über einen Angriff militanter Palästinenser wurden damit korrigiert.

Nach israelischer Darstellung hatten die Ägypter die Grenze auf halber Strecke zwischen dem Gaza-Streifen und dem Golf von Akaba überquert und dann das Feuer auf eine israelische Streife eröffnet. Bei der Schießerei wurde ein israelischer Soldat leicht verletzt.

Aus Sicherheitskreisen in Kairo hieß es, die beiden namentlich identifizierten Beamten seien erschossen worden und hätten ihre Waffen bei sich getragen. Der israelische Verteidigungsminister Amir Peretz ordnete eine Untersuchung an. Der Hintergrund der Schießerei war zunächst unklar. In dem Grenzgebiet der Wüste Negev zum Sinai haben Soldaten mehrfach Schmuggler gestellt.

Erneutes Feuergefecht

Im Gaza-Streifen war es am Donnerstag erneut zu einem Feuergefecht zwischen rivalisierenden Palästinenser-Gruppen gekommen. Dabei wurden Sanitätern und Sicherheitskreisen zufolge vier Palästinenser verletzt. Bei drei der Verletzten habe es sich um Sicherheitskräfte gehandelt, die auf Seiten der Fatah-Organisation von Präsident Mahmoud Abbas (Abu Mazen) stünden. Zu welcher Gruppe der vierte Verwundete gehörte, war zunächst unklar.

Die Fatah und die radikal-islamische Hamas von Ministerpräsident Ismail Haniyeh warfen sich gegenseitig vor, für das Gefecht verantwortlich zu sein. Der Zusammenstoß ereignete sich in einem Dorf östlich von Khan Yunis, wo es schon in der Nacht zum Donnerstag zu einer Schießerei gekommen war.

Offizier angeschossen

In Gaza-Stadt wurde nach Angaben aus Sicherheitskreisen zudem ein hochrangiger Offizier der Sicherheitseinheiten der Fatah von Unbekannten angeschossen und schwer verletzt. Seit März sind bei Auseinandersetzungen zwischen Anhängern von Hamas und Fatah mindestens zehn Menschen getötet worden.

Bei der Parlamentswahl im Jänner hatte die Hamas der Fatah eine deutliche Niederlage beigebracht. Länder des Westens stoppten daraufhin ihre Hilfen für die Palästinenser, da die Hamas den Forderungen, das Existenzrecht Israels anzuerkennen, der Gewalt abschwören und bisherige Vereinbarungen mit Israel zu respektieren, nicht nachkommen wollte. Darüber hinaus stoppte Israel die wichtige Auszahlung von Abgaben, die auf Warenlieferungen in die Palästinensergebiete erhoben werden. Den palästinensischen Behörden steht seither nur ein Viertel der üblichen Einnahmen zur Verfügung.

Wütende palästinensische Polizisten stürmten am Donnerstag aus Protest das Parlamentsgelände in Gaza, weil ihnen seit drei Monaten keine Gehälter ausgezahlt wurden. Etwa 6.000 Menschen hatten sich in Gaza zu einem Protestzug versammelt, der sich gegen die Politik der Hamas richtete, die sie für die Zahlungssperren verantwortlich machten. (APA/Reuters/dpa)

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