Stichwort: My Lai - Moralischer Wendepunkt eines Krieges

3. Juni 2006, 15:06
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US-Armee vertuschte Verbrechen eineinhalb Jahre lang

Washington - In den US-Medien wird das jüngste Massaker in Haditha im Irak mit dem Massaker von My Lai in Südvietnam verglichen, wo US-Soldaten im März 1968 mehr als 500 Menschen, darunter 173 Kinder, niedergemetzelt hatten. Die Weltöffentlichkeit erfuhr erst eineinhalb Jahre später von dem Verbrechen, das die moralische Niederlage der USA im Vietnamkrieg besiegelte. Die US-Armee hatte versucht, die Schandtat zu vertuschen, die weltweit Proteste auslöste.

Am Morgen des 16. März 1968 fielen Soldaten der 11. US-Brigade über das kleine Dorf My Lai her. Sie trieben Greise, Frauen und Kinder zusammen, erschossen sie, vergewaltigten junge Mädchen und brannten das Dorf nieder. Die Amok laufenden Soldaten massakrierten insgesamt 504 Menschen. My Lai wurde zum Symbol des schmutzigen Krieges in Vietnam und stand für eines der abscheulichsten Verbrechen von US-Soldaten. Übergriffe gegen die Zivilbevölkerung wurden mit der amerikanischen Strategie "search and destroy" (Aufspüren und vernichten) rechtfertigt.

Zusammenbruch

"My Lai war in vielerlei Hinsicht der Brennpunkt für den Zusammenbruch der US-Armee in Vietnam, der Zusammenbruch der Moral dieser Armee und ihrer Führung", sagte William Hammond vom Heereszentrum für Militärgeschichte. Der Zug unter Führung von Leutnant William Calley rückte mit Unterstützung von Kampfhubschraubern gegen das Dorf vor. Zivilisten wurden zusammengetrieben und erschossen. Eine Frau überlebte das Massaker, weil sie blutüberströmt in einem Leichenberg lag und für tot gehalten wurde.

Am 17. November 1969 berichtete die "New York Times" als erste Zeitung über My Lai. Das US-Militär gab bekannt, dass gegen Leutnant William Calley und Stabsfeldwebel David Mitchell Ermittlungen liefen. Calley wurde als einziger an dem Massaker Beteiligter zu lebenslanger Haft verurteilt. Drei Jahre davon verbüßte er in Hausarrest. Die Anklage gegen seinen Kompaniechef, Hauptmann Ernest Medina, wurde fallengelassen, seine Militärkarriere war allerdings auch beendet. Es gab drei US-Soldaten, die sich dem Massaker entgegenstellten und mit ihrer Zivilcourage dessen Fortsetzung verhinderten. Stabsfeldwebel Hugh Thompson landete mit seinem Kampfhubschrauber, nachdem er erkannte, was in My Lai vorging. Seine beiden MG-Schützen wies er an, ihre Waffen auf die eigenen Leute zu richten und zu schießen, sollten sie weiter gegen Zivilisten vorgehen. (APA/dpa)

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