Tirol: "Menschenselektion ist nicht vertretbar"

1. Juni 2006, 14:48
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Bischöfe gaben ethische Leitlinien für Krankenhäuser vor - Einzig Transplantation "kein Problem"

Innsbruck - Direkte Sterbehilfe, Abtreibung und Präimplantationsdiagnostik (PID) ist für die Österreichischen Bischöfe "nicht vertretbar". Dies hat der Referent der Österreichischen Bischofskonferenz für bioethische Fragen, der Diözesanbischof von St. Pölten, Klaus Küng, am Mittwoch im Rahmen der Vorstellung von "Leitlinien für katholische Einrichtungen im Dienst der Gesundheitsvorsorge" in Innsbruck klar gemacht.

Transplantation "kein Problem"

Die Leitlinien würden "heiße Eisen" der aktuellen bioethischen und gesundheitspolitischen Debatte aufgreifen. "Eine Menschenselektion ist nicht vertretbar. Die Leitlinien sind ein erster Anstoß und müssen wegen der rasanten Entwicklung der Medizin in einigen Jahren ergänzt werden", meinte Küng. Mit dem Thema der Transplantation habe die Kirche "kein Problem".

Initiative begrüßt

Auch die anwesenden Ärzte Univ.-Prof. Hildegunde Piza, Vorstand der Plastischen und Wiederherstellungschirurgie in Innsbruck, und Univ.-Prof. Manfred Mutz, Leiter der Abteilung für Intensivmedizin an der Klinik Innsbruck, begrüßten die Initiative der Bischöfe. "Von der Ethik her ist es egal, ob Ärzte an öffentlichen oder geistlichen Krankenhäusern arbeiten", sagte Piza. Die Medizinerin war unter anderem bei den spektakulären Händetransplantationen für die Bombenopfer Theo Kelz und den Ukrainer Vasyly Rohovyy bekannt geworden.

Im Zweifelsfalle würde sich Univ.-Prof. Mutz über eine PatientInnenverfügung hinweg setzen: "Alle reden von Mündigkeit und Selbstbestimmung des Patienten. Niemand redet vom Gewissen der Ärzte. Ich werde sicher nicht nur wegen eines Blattes Papier meines mit der Unterlassung von lebensrettenden Maßnahmen belasten".

Christliche Ethik

Die Leitlinien sollen für die ÄrztInnen, das Pflegepersonal und die wirtschaftliche Leitung eine Hilfe sein, die oft großen und komplexen Herausforderungen ihrer Dienste verantwortungsvoll zu bewältigen hätten. Ebenso hilfreich könnten sie für ÄrztInnen sein, die Wert darauf legen, ihr Handeln zu überprüfen und zu überlegen, ob es den Anforderungen der christlichen Ethik gerecht werde. Für Patienten und deren Angehörige seien die Leitlinien eine Art Gütesiegel, das die Kriterien angebe, nach denen die jeweilige Einrichtung geführt werde. (APA)

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