Ein zweiter Ring in Aspern

15. Juni 2007, 18:11
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Größtes Stadt- Entwicklungsgebiet soll eigene Ringstraße, Park, Wasserfläche und 8.500 Wohnungen bekommen - Masterplan vorgestellt

Große, klare Strukturen -mit kleinteiliger Vielfalt im Innern. Und Energieeffizienz: Das sind die großen Themen für den neuen Stadtteil, der auf dem Flugfeld Aspern geplant wird. Diskutiert wird aber noch, ob auf 240 Hektar eine -oder doch zwei Unis passen.

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Wien - Eine Ringstraße umkreist die Innenstadt - und in ein paar Jahren soll ein zweiter Ring jenseits der Donau errichtet werden. In einem weiteren "Stadtzentrum"von Wien. Planungsstadtrat Rudi Schicker (SP) präsentierte Donnerstag am Rande der Immobilienmesse "Real Vienna"den aktuellen Stand der Planungen für das Stadtentwicklungsgebiet Flugfeld Aspern.

Die gewaltige Dimension wird ein wenig deutlicher im Vergleich: 240 Hektar sollen auf dem Gelände hinter den General-Motors-Werken "urbanisiert"werden. Das sind in etwa 340 Fußballfelder. Oder: die doppelte Josefstadt.

"So etwas plant man nicht jeden Tag, nicht einmal in China", bemerkte Johannes Tovatt, schwedischer Pla- ner, der den Masterplan er- stellt. Umso wichtiger sei es, klare Bewegungsstrukturen zu schaffen. Und: "Hätte man ein trendiges Muster über das Gebiet gelegt, würde dies in einer chaotischen Situation enden."

8.500 Wohnungen und 25.000 Arbeitsplätze

Daher der Ring. Den durchquert eine Hauptstraße, entlang eines Sees, an dessen anderem Ufer sich ein neuer Stadtpark erstreckt. Zur großzügigen Struktur soll sich im Innern Spontanes gesellen, sollen vielfältige Projekte realisiert werden. Daher solle auch eine Vielfalt an Bauträgern einzelne Projekte realisieren, erläutert Josef Ostermayer, Geschäftsführer vom "wohnfonds wien". Im Stadtteil sollen rund 8500 Wohnungen und etwa 25.000 Arbeitsplätze entstehen.

Eines der großen Themen im neuen Stadtgebiet soll Energieeffizienz sein. Ergänzend zu Gebäuden, die zumindest nahe am Passivhaus-Standard liegen sollen, ist geplant, den Wärmebedarf des ganzen Stadtteils über eine unterirdische heiße Quelle abzudecken, wie Bernd Rießland, Geschäftsführer des Wiener Wirtschaftsförderungsfonds erläutert. Würde dann noch 2000 Meter tiefer gebohrt, könnte mit einer rund 200 Grad heißen Quelle auch der Strombedarf des Gebietes erzeugt werden (der Standard berichtete).

Als Erstes sollen bereits im Jahr 2008/09 Bauten mit studentischem Wohnen im neuen Stadtteil realisiert werden. "Hier wollen wir versuchen, Holzbauweise mit Passivstandard zu kombinieren", kündigt Rießland an.

Universitäten

Unklar ist aber nach wie vor, ob und wie viele Universitäten auf das Flugfeld übersiedeln werden. "Ich glaube nicht, dass es bei einer Dimension von 240 Hektar ein Thema ist, ob zwei Universitäten aufs Flugfeld passen", ist Christoph Stadlhuber von der Bundesimmobiliengesellschaft überzeugt. Im Gespräch sind die Wirtschafts- und die Technische Universität. Doch Stadtrat Schicker ist in dieser Frage weit vorsichtiger: "Ein Universitätsstandort macht Sinn, bei einem zweiten sollte man sehr vorsichtig sein." (Roman David-Freihsl, DER STANDARD - Printausgabe, 2. Juni 2006)

  • "Klein-Dubai": Der Masterplan des Schweden Johannes Tovatt: Im Zentrum ein See, rechts davon ein Stadtpark, links der Hauptplatz.
    foto: tovatt architects & planners

    "Klein-Dubai": Der Masterplan des Schweden Johannes Tovatt: Im Zentrum ein See, rechts davon ein Stadtpark, links der Hauptplatz.

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