Angeschossener österreichischer Konsul in Caracas aus Spital entlassen

12. Juni 2006, 16:19
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Räuber kamen möglicherweise durch Komplizen beim Personal in die Botschaft - Diplomaten immer häufiger Zielscheibe

Caracas/Wien - Der am Mittwoch bei einem Raubüberfall auf die österreichische Botschaft in Caracas in Venezuela durch einen Schuss in den linken Oberarm verletzte Konsul Walter Rehberger ist aus dem Spital entlassen worden, erklärte Georg Schnetzer von der Pressestelle des österreichischen Außenministeriums. Die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft laufen auf Hochtouren.

"Dem Konsul geht es den Umständen entsprechend gut. Bei dem Durchschuss wurden keine Arterien verletzt. Er plant in Kürze seinen Heimaturlaub anzutreten", erkklärte Schnetzer. Die bei dem Überfall erbeutete Summe wird noch überprüft. Nach ersten Berichten soll es sich um etwa 10.000 Dollar handeln. Papiere, Drucksorten und Reisedokumente wurden nicht geraubt.

Zwei Räuber

Über den Tathergang und die Frage, wie die Täter in das Botschaftsgebäude eindringen konnten, gab es in den Landesmedien verschiedene Versionen, die Ermittlungen und die Spurensicherung seien diesbezüglich noch nicht abgeschlossen, erklärte Schnetzer. Es dürfte aber feststehen, dass nur zwei und nicht wie ursprünglich vermutet mehrere Täter den Überfall verübt haben.

Mögliche Komplizen beim Personal

Ob die Räuber Komplizen unter den Botschaftsbediensteten hatten, wird derzeit noch überprüft. Die Zeitung El Universal berichtete, dass zum Tatzeitpunkt ein für die äußere Bewachung der diplomatischen Vertretung abgestellter Polizeibeamter nicht an seinem Platz gewesen sei. Ausgeschlossen wird hingegen, der verdacht, dass ehemalige Mitarbeiter der Botschaft, die im Jänner entlassen wurden, an der Tat beteiligt waren.

Diplomaten als Zielscheibe

Ob auch politische Motive eine Rolle gespielt haben, ist noch unklar. Diplomaten sind in der jüngeren Vergangenheit bereits mehrmals Zielscheibe von Kriminellen geworden. Am Donnerstag findet in Caracas ein OPEC-Treffen statt. Alle Botschaften wurden zu besonderer Wachsamkeit aufgerufen. Laut dem ehemaligen Botschafter Venezuelas bei der UNO, Milos Alcalay, fügen solche Übergriffe dem Ansehen des Landes beträchtlichen Schaden zu. Er forderte die Regierung auf, spezielle Maßnahmen zur Sicherheit der ausländischen Diplomaten zu ergreifen. Die Administration von Staatspräsident Hugo Chavez hat am Mittwoch den Vorfall in der österreichischen Botschaft entschieden verurteilt. (APA)

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    Walter Rehberger, Konsul an der österreichischen Botschaft in Caracas

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