China drängt auf den Forschungsmarkt

1. Juni 2006, 13:59
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Experten: Europa muss mit attraktivem Arbeitsmarkt für Forscher reagieren - EU-Konferenz in Wien

Wien - Da China zunehmend auch den Wissenschaftsbereich erobert, will Europa nun mit einem möglichst attraktiven, gemeinsamen Arbeitsmarkt für Forscher gegensteuern. Experten aus Politik, Wissenschaft und Industrie beraten am Donnerstag und Freitag im Rahmen der EU-Präsidentschaftskonferenz "A Researchers' labour market: Europe a pole of attraction?" in Wien weitere Maßnahmen.

Mittlerweile stammen zehn bis 20 Prozent der Veröffentlichungen in den drei führenden Fachzeitschriften zum Thema "Nanotechnologie" aus der Feder von chinesischen Forschern, berichtete Uni Wien-Rektor Georg Winckler bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Wien. 70 bis 80 Prozent der Mitglieder der chinesischen Akademie der Wissenschaften bestehen aus Absolventen von Elite-Universitäten wie Stanford oder Harvard, bestausgebildeten Leuten, die in ihr Land zurückkehren.

Abwanderung in Europa

In Europa ist es vielfach immer noch umgekehrt, dass nämlich Wissenschafter nach ihrer Ausbildung abwandern. So berichtete Peter Kowalski, Leiter der Forschungsabteilung im Bildungsministerium, über Schätzungen, wonach rund 100.000 europäische Forscher aktiv in den USA arbeiten.

Experten sind überzeugt, dass Europa einen einheitlichen Arbeitsmarkt für Wissenschafter schaffen muss, um mittel- und langfristig gegensteuern zu können. Damit sind nicht nur Uni-Karrieren gemeint, vielmehr sollten Forscher auch verstärkt zwischen der akademischen Welt und der Industrie hin und her wechseln. So gibt es seit dem Vorjahr auch eine europaweit vernetzte Internetplattform, auf der etwa Job-Angebote ausgeschrieben werden.

Für einen gemeinsamen Forschungs-Arbeitsmarkt müssen aber formale Hindernisse beseitigt werden. So sind etwa Pensionen und Anrechnungszeiten bis heute nicht einheitlich geregelt, bemängelte Winckler. "Wenn wir etwa einen Forscher aus Deutschland engagieren, müssen wir entstehende Nachteile für die Pension ausgleichen, dafür ist aber kein Geld da", sagte der Uni Wien-Rektor.

Spezielle Programme

Einig sind die Experten auch, dass Europa für junge Forscher attraktiver werden muss. So sind Wissenschafter erfahrungsgemäß in einem Alter von 25 bis 35 Jahren am aktivsten, beispielsweise in Deutschland oder Italien ist aber etwa nur ein Viertel der Forscher in diesem Alter. Spezielle Programme sollten daher Doktoranden und Absolventen eines Doktorats ansprechen.

Österreich ist beim Aufholprozess in puncto Forschung nicht so schlecht unterwegs, bestätigte Gerhard Riemer von der Industriellenvereinigung (IV). So habe man den Sprung von Platz zehn in das Feld der europäischen Top-5-Innovations-Performer geschafft. Generell würde aber in Österreich einer hohen Nachfrage an Arbeitskräften in Wissenschaft und Technik nur eine mäßige Entwicklung des Angebots an Absolventen mit geeigneter Ausbildung gegenüber stehen. (APA)

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