Neuer Rekord bei Auslandsinvestitionen in Mittel-Osteuropa

13. Juni 2006, 11:27
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WIIW-Experte Hunya: "Hohe Profiterwartungen werden erfüllt" - Ausländer reinvestieren Hälfte ihrer Gewinne - 2006 Investitionsrückgang erwartet

Wien - Im Jahr 2005 sind 55 Milliarden Euro an ausländischen Direktinvestitionen (FDI) in die Länder Mittel-, Ost- und Südosteuropas geflossen - das war um 18 Prozent mehr als im EU-Erweiterungsjahr 2004 und ein neuer Rekordwert. Darin enthalten sind auch reinvestierte Gewinne ausländischer Unternehmen, die sich über Ertragsraten von zehn bis zwölf Prozent freuen können, wie aus einer am Donnerstag veröffentlichten Studie des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) hervorgeht.

"Ausländische Investitionen werden durch ziemlich hohe Gewinnerwartungen ins Land geholt, und diese Erwartungen werden in der Regel erfüllt", sagte Studienautor Gabor Hunya. So würden etwa die Banken bereits einen bedeutenden Teil ihrer Gewinne im Ausland erzielen. "Es dauert aber drei bis fünf Jahre, bis man nach einer Investition Gewinne abschöpfen kann."

In den meisten Ländern wurde die Hälfte der Einkommen der ausländischen Investoren "repatriiert", also wieder abgezogen, die andere Hälfte wurde reinvestiert. Der Anteil der repatriierten Einnahmen zeigte in Tschechien und in Ungarn einen steigenden Trend, während er in Estland und Rumänien niedrig blieb. In Russland, wo die Gewinne 2005 stark stiegen, erhöhte sich die Repatriierung auf über 50 Prozent - allerdings machten dort die reinvestierten Gewinne bereits 60 Prozent der FDI-Zuflüsse aus.

Investitionen heuer rückläufig

Für 2006 rechnen die WIIW-Experten mit geringeren Auslandsinvestitionen als im Vorjahr, weil es - außer in Rumänien - kaum noch größere Privatisierungen geben wird.

Innerhalb der einzelnen Ländergruppen waren die FDI-Zuflüsse sehr ungleich verteilt. Der größte Zufluss war mit 26 Milliarden Euro in den acht mitteleuropäischen neuen EU-Mitgliedsstaaten (NMS-8) zu beobachten, eine Zunahme um fast 20 Prozent gegenüber 2004. Fünf der NMS-8 verzeichneten höhere Zuflüsse - Estland, Litauen, die Slowakei, Tschechien und Ungarn -, während Lettland, Polen und Slowenien nur geringere Mengen auf sich ziehen konnten. Die bedeutendsten abgeschlossenen Privatisierungsprojekte waren der Verkauf der Tschechischen Telekom und jener des Budapester Flughafens, der in den jeweiligen Ländern Rekordzuflüsse an FDI bewirkte.

Großeinkauf der Erste Bank

In Südosteuropa hingegen gingen die ausländischen Direktinvestitionen im Jahr 2005 um zwei Prozent gegenüber dem bisherigen Höchstwert von 2004 zurück und betrugen 10,4 Milliarden Euro. Kroatien, Montenegro, Rumänien und Serbien registrierten höhere Zuflüsse, in den anderen Ländern gab es einen Rückgang. Rumänien allein erhielt die Hälfte des FDI in der Region - dabei wird die Übernahme der Banca Comerciala Romana (BCR) durch die Erste Bank um 3,75 Milliarden Euro erst 2006 verbucht. In einigen Ländern, in denen der Privatisierungsprozess großteils abgeschlossen ist - z.B. Mazedonien - kam es nur zu wenigen neuen Investitionen.

Die größte Steigerung bei den FDI-Zuflüssen gab es in den europäischen GUS-Staaten - hier stiegen die ausländischen Investitionen um 31 Prozent auf 18 Milliarden Euro. Der wichtigste Empfänger, Russland, erhielt 2005 etwas weniger als im vorangegangenen Jahr. Die Ukraine verzeichnete jedoch einen enormen einmaligen Zufluss durch den Verkauf des Stahlwerks Kriworoschstal um vier Milliarden Euro an Mittal Steel.

Die starken Schwankungen bei den Investitionszuflüssen über die Jahre hinweg hängen damit zusammen, ob größere Privatisierungen stattfanden. Als Hauptakteure im Wettbewerb um Industriestandorte in den neuen EU-Staaten stechen Polen, Tschechien und Ungarn sowie in Südosteuropa auch Rumänien hervor. (APA)

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