Vorerhebungen gegen vierten Beamten

12. Juni 2006, 16:23
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Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen wegen Quälens eines Gefangenen ausgedehnt

Wien - Unterdessen hat die Staatsanwaltschaft die gerichtlichen Vorhebungen auf einen vierten Polizisten ausgedehnt. Der Beamte soll seinen Kollegen jene abbruchreife Lagerhalle aufgesperrt haben, in der Bakary J. nach seiner gescheiterten Abschiebung geschlagen und gedemütigt worden sein soll, gab Pressesprecher Gerhard Jarosch bekannt. Die Halle wird von der Sondereinheit WEGA zu Übungszwecken genützt.

Quälens eines Gefangenen

Gegen die vier Beamten wird wegen Quälens eines Gefangenen und gefährlicher Drohung ermittelt. Das gerichtsmedizinische Gutachten, das heute bei Gericht eingelangt ist, könnte den Strafrahmen für die suspendierten Polizisten erhöhen. Bisher wurde davon ausgegangen, dass Bakary J. nur leichte Verletzungen davon getragen hat. Die Gerichtsmedizinerin Elisabeth Friedrich stufte die Verletzungen als "dem Grade nach schwer" ein. Die maximale Strafdrohung müsste damit von zwei auf drei Jahre Haft erhöht werden.

Keine Auskünfte im Vorverfahren

Die Staatsanwaltschaft betonte, das Vorverfahren werde "noch eine Zeit lang" dauern, da "sehr gründlich" untersucht werde. Über aktuelle Verfahrensschritte gab der Sprecher der Anklagebehörde unter Hinweis auf die Nichtöffentlichkeit des Vorverfahrens keine Auskünfte.

Der Wiener Rechtsanwalt Josef Phillip Bischof, der Bakary J. vertritt, rechnet mit der Einholung eines weiteren Gutachtens. Der Anwalt erwartet die Beiziehung eines psychologisch-psychiatrischen Sachverständigen, um die Frage nach den erlittenen seelischen Beeinträchtigungen des Schwarzafrikaners abklären zu lassen. "Das ist im medizinischen Gutachten indiziert", erklärte der Jurist. Er habe ein solches Gutachten, das durch den Staatsanwalt in Auftrag zu geben sei, bereits vor einiger Zeit beantragt. (APA)

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