Neuer Trainer und alte Lasten

22. Juni 2006, 10:33
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In der Finanzaffäre beim SK Sturm tauchen brisante neue Details auf - Sportlich versuchen die Grazer mit Amateure-Coach Franco Foda als Cheftrainer wieder Fuß zu fassen

Graz - Sehr müde wirkte er und ang'rührt. "Über das sprechen wir heute nicht. Wir haben heute sportliche Sachen", brummte der Präsident. Über die staatsanwaltlichen und finanzbehördlichen Erhebungen gegen seinen Verein SK Sturm wollte Hannes Kartnig am Donnerstag partout nicht reden, nur über den neuen Trainer, der ein alter ist. Der bisherige Amateure-Trainer Franco Foda wird Michael Petrovic als Cheftrainer ersetzen. Vorerst vertraglich auf ein Jahr befristet. Der 40-Jährige deutsche Ex-Internationale hatte im Herbst 2002 Trainerlegende Ivica Osim abgelöst, musste aber das Amt nach wenigen Monaten abgeben.

Trennen wird sich Sturm vom bisherigen Manager Heinz Schilcher, der Osim nach Graz gebracht hatte. Kartnig: "Wir haben mit Schilcher die schönsten Jahre erlebt, schaffen es aber existenziell nicht mehr."Schilcher zog am Donnerstag einen Zahnarztbesuch einer öffentlichen Verabschiedung mit Kartnig vor.

Nicht öffentlich laufen derzeit die behördlichen Ermittlungen gegen Kartnig und weitere Sturm-Verantwortliche. Es kann heftig werden. Der Verdacht auf "Schwarzgelder"beziehe sich auf eine "sechsstellige Summe", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Manfred Kammerer, zum Standard. Kritisch könnte es vor allem auch für ein spezielles Mitglied des Sturm-Vorstandes werden. Dieser ist Finanzbeamter und hat sich beim Verein um die Bilanzierung gekümmert. "Wenn hier Lücken auftauchen, schaut es für ihn nicht sehr gut aus", sagte Kammerer.

Ob das Vorstandsmitglied Insiderwissen verwendet habe, sei noch völlig unklar. Wie so vieles bei Sturm. 40 Kisten mit Datenmaterial über das Finanzgebaren des Vereins müssten durchforstet werden. Das dauere Monate.

Die angeblich in eine Wettaffäre verwickelten Ex-Trainer Michael Petrovic und Spieler Bojan Filipovic müssen ebenfalls warten. Vor wenigen Tagen besorgten sich steirische Kripo-Beamte neue Unterlagen von deutschen Kollegen, die die vermeintlichen Mittelsmänner überführt hatten. 20.000 "Rufdaten" müssten nun gecheckt werden. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 2. Juni 2006, Walter Müller)

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    Franco Foda: "Ich bin keine billige Lösung"

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